Tina Kulow – die deutsche Stimme von Facebook

von Inge Seibel am 09. Mai 2012 unter: Aktuell,Hintergrund,Video

“Facebook – 901 Millionen Menschen gefällt das – warum eigentlich?” fragt “Der Spiegel” und hat dem Social Network aus Palo Alto in Kalifornien, das am 18. Mai an die Börse gehen will, diese Woche eine weitere Titelgeschichte gewidmet. Fakt ist: Facebook übt auf Journalisten eine ungemeine Faszination aus und aus anfänglicher Skepsis ist eine Art von Hassliebe geworden. Jeder kennt es und kaum ein Journalist kommt an der beruflichen Nutzung dieses Netzwerkes mehr vorbei.

Wo Journalisten sind, da sind auch viele Fragen. Wenn es um Facebook geht, dann muss man auf die Antwort aus Amerika oftmals recht lange warten. Dafür gibt es seit Februar 2011 eine deutsche Lösung: Sie heißt Tina Kulow und sitzt mit ihrem rund 20 köpfigen Team in Hamburg. Tina Kulow ist Facebooksprecherin für Deutschland, Österreich und die Schweiz – offiziell: “Corporate Communication Manager DACH”. Anfang der Woche war sie zu Gast beim ” Social Media Club München”, einem Netzwerk für Social Media Interessierte jeglicher Berufssparten.

Viele folgten dieser Einladung, um endlich einmal die deutsche Stimme von Facebook kennenzulernen, über die der PR-Report vom Februar 2012 noch schreibt, sie halte sich in der digitalen Welt vornehm zurück und ihre Bewegtbildauftritte ließen sich an einer Hand abzählen.

Hier kommt ein weiteres Video hinzu, für alle, die Tina Kulows Auftritt beim Social Media Club München versäumt haben.

Tina Kulow zeigt sich in München sympathisch und gut vernetzt, baut aber gleich vor, dass sie nicht alle Fragen beantworten könne, schließlich steht der Börsengang des Unternehmens kurz bevor. Da heißt es: Vorsicht.

Soviel jedoch: Schlank aufgebaut ist das Team in Hamburg. Seit kurzem gibt es eine neue Dependance in Berlin, die mit  zwei Leuten besetzt ist. Und nein, sie übersetzt nicht nur die ganze Zeit Pressemitteilungen aus Amerika für Europa. “Wir betreiben hier keine Aushilfstätigkeiten, sondern offene Kommunikation”, sagt Tina Kulow. Sie stellt Studien aus den USA vor. 200.000 neue Jobs habe das Unternehmen dort kreiert. Ähnlich positive Ergebnisse gebe es auch aus Europa.

Wir wollen Menschen vernetzen

“Facebook ist keine Suchmaschine, kein Emailanbieter, kein Fotoservice: Wir wollen Menschen vernetzen”, sagt Tina Kulow in München. Geduldig beantwortet sie Fragen zum neuen Design, der so genannten “Timeline”, zur Spiegel-Titelgeschichte der Woche, zur Möglichkeit, Daten bei Facebook zu löschen.

“Ist man als Deutscher im Facebook-Konzern schlecht angesehen, weil die Deutschen immer ein Haar in der Suppe finden?”, will ein Besucher wissen. “Nein”, sagt Tina Kulow, in Deutschland sei es nur ein wenig schwieriger. Hier habe sie es mit 16 Datenschützern zu tun, die alle eine unterschiedliche Meinung hätten. “Wir sind aber mit allen 16 in ständigem Kontakt.  Andere europäische Länder haben in der Regel nur einen Datenschutzbeauftragten,” so die Facebook-Sprecherin.

Tina Kulow selbst betreibt seit 2007 einen Facebook-Account.  Ein Babyfoto findet man nicht in ihrer Timeline, es gäbe einfach kein schönes.  Ob Google+ oder Facebook das bessere Social-Network sei? Diese Frage müsse jeder selbst beantworten, meint Tina Kulow, schließlich sei es auch okay, wenn man nichts von beidem nutze.

Die einzige Konstante ist Veränderung

Die Frage, welches das größte Defizit sei, an dem Facebook arbeite, beantwortet Tina Kulow sehr persönlich: “Mein Defizit ist, dass noch immer viele nicht wissen, dass es mich gibt und zu wenige Journalisten meine Telefonnummer kennen. Das Defizit auszugleichen, daran arbeite ich.”

Auf dem Laptop der Pressesprecherin pappt ein dicker Aufkleber: “This journey is 1%  finished.” “Das ist unser Leitmotto – wir sind noch ganz am Anfang, mit  viel Platz für Innovationen”, zeigt sich Tina Kulow zuversichtlich. Eine Konstante bleibe: “Facebook wird sich ständig verändern.”

Ihre nächste große Aufgabe, die sie sich mit ihrem Team vorgenommen hat, sei die Stärkung der Medienkompetenz. Man wolle mehr Aufklärung betreiben, um die Menschen für das Angebot des Social-Networks fit zu machen. Geplant sind verstärkte Aktionen mit Schulen, Eltern und Lehrern.

Am Rande des Events verriet sie mir dann noch, dass sie eigentlich mal Radiomoderatorin werden wollte. Im Dezember vergangenen Jahres war Tina Kulow beim Lokalradio Antenne Düsseldorf zu Gast und beantwortete Live in der 100. Ausgabe der Sendung mit dem Internet Hörerfragen – eine echte Deutschlandpremiere, die es bis jetzt in dieser Form nicht wieder gab. Der Podcast mit der aufgezeichneten Sendung steht weiterhin im Netz.

Eine weitere Zusammenfassung des Abends findet sich beim Social Media Club München/smcmuc.

Die Fotos des Abends hat Raimund Verspohl auf Facebook veröffentlicht.

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Gutjahrs rundshow

von Inge Seibel am 05. Mai 2012 unter: Aktuell,Hintergrund,Video

Wie könnte das Fernsehformat der Zukunft aussehen? Das will der Bayerische Rundfunk herausfinden und startet am 14. Mai 2012 sein Experiment “die rundshow”. Vier Wochen lang, immer montags bis donnerstags ab 23.15 Uhr , geht die rundshow auf Sendung. Die Macher Richard Gutjahr und Daniel Fiene haben auf der re:publica in Berlin das Konzept vorgestellt.

BR startet neues Social-TV-Projekt - so liest sich das offiziell in der Programmvorschau des Senders:

Die Grenzen zwischen Machern und Nutzern verwischen. Gesendet wird  die “rundshow” ab 14. Mai vier Wochen lang von Montag bis Donnerstag um 23.15 Uhr im Bayerischen Fernsehen, im Livestream über facebook und zeitversetzt auf YouTube. Die Sendung moderiert Richard Gutjahr zusammen mit wechselnden, bekannten Co-Moderatoren. Mit dabei sind u. a. Sascha Lobo, Daniel Fiene und Sandra Rieß (“Unser Star für Baku”).

Mittels einer Smartphone-App können die Zuschauer Fragen stellen, an Abstimmungen teilnehmen oder Applaus live in die Sendung einspielen. Dabei ist der Name der App, „Die Macht“, Programm, denn bei der “rundshow” ist vor allem Interaktivität gefragt: Ob per Webcam in die Redaktionskonferenz am Nachmittag, oder via Twitter, Skype und Google-Hangout direkt in die Sendung geschaltet: Über alle Kanäle läuft die Rund-um-die-Uhr-Kommunikation mit der Redaktion. Dieses Konzept wurde schon während seiner Entstehung über Monate offen im Netz in Blogs und sozialen Netzwerken diskutiert und wird nun vom BR realisiert. Hinter der Rundshow steckt ein kreatives Team aus erfahrenen Journalisten und Web-Spezialisten.

Mehr zur rundshow im begleitenden Blog.

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Daniel @fiene goes TV oder:
Ausflug in die mediale Zukunft

von Inge Seibel am 24. Apr 2012 unter: Aktuell,Hintergrund,Video

Daniel Fiene ist ein wenig aufgeregt. Seine Koffer sind schon gepackt. Ihn zieht es für die nächsten Wochen zum Fernsehen und damit  in ein kleines Container-Dorf auf dem Gelände des Bayerischen Rundfunks in München-Freimann. Gemeinsam mit dem netzbekannten Journalisten und Blogger Richard Gutjahr will er am Fernsehen der Zukunft basteln. Das  brandheiße TV-Projekt heißt “rundshow”.

Für gewöhnlich wird der Bayerische Rundfunk ja eher als konservative “Sendeanstalt” gesehen. Jetzt bietet das Dritte Programm aus München  einem Team von webaffinen  Fernseh-, Radio- und Onlinejournalisten die lang herbei gesehnte Chance das, was sie in unzähligen Diskussionen, Vorträgen und sogar Büchern (Der Universalcode) gepredigt und gelehrt haben, in eine interaktive TV-Sendung  umzusetzen. Weiterlesen »

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Social Media: Power to the People

von Inge Seibel am 23. Apr 2012 unter: Aktuell

Radio, Fernsehen, Zeitungen: “Wer im Zeitalter des Internets überleben will, muss auf allen Plattformen unterwegs sein”, rät Alec Ross, Hillary Clintons Chefstratege für neue Technologien, den Medien.

(Der Artikel wurde zuerst veröffentlicht im Februar 2012 auf hoerfunker.de)

Alec Ross ist ein ungewöhnlicher junger Mann. 2000 war er Mitbegründer der Non-Profit-Organisation “One Economy”, ein Unternehmen, das weniger Privilegierte weltweit im Umgang mit neuen Technologien schult, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Bevor ihn Hillary Clinton 2009 als Innovationsberater – offizieller Titel “Senior Advisor for Innovation and Technology” – ins US-Außenministerium holte, eine Stelle, die eigens für ihn geschaffen wurde, gehörte Ross zum Wahlkampfteam von Präsident Obama. Weiterlesen »

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Wer braucht DAB+? Verleger Dirk Ippen setzt auf Radio im Netz

von Inge Seibel am 17. Jan 2012 unter: Aktuell,Hintergrund,Hörfunker,Video

Erst Yourzz.fm in Nordrhein-Westfalen, jetzt Radio HNA aus Kassel: Dirk Ippen, Verleger aus München, verlässt sich nicht auf seine zahlreichen Lokalradios mit UKW-Lizenz, jetzt wird auch im Internet durchgestartet. Der Sinn des ganzen: Synergieeffekte nutzen und crossmedial Werbung verkaufen. Ein Formular zum Anmelden beim Musikrechteverwerter GEMA genügt. Mehr braucht ein Internetradio zum Senden nicht – keine weiteren Lizenzen, keine inhaltlichen Vorgaben. Genau 1441 angemeldete Webradios zählte die GEMA Anfang Januar 2012. Eines davon ist seit Jahresbeginn Radio HNA aus Kassel. Weiterlesen »

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