2010 USA-Westküste Reisetagebücher

Weil wir im Knast waren

Tagebuch US-Westen, Teil 16: Zuchthausinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco.

Die ehemalige Zuchthausinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco

1. September 2010. Steve Jobs hat am Mittwochvormittag (Ortszeit) in San Francisco eine Keynote gehalten und ist dabei nicht wie gewohnt im Rollkragenpullover -, sondern im Langarm-T-Shirt aufgetreten. Dass der Apple-Chef damit eine neue Kleiderordnung für sich selbst eingeführt hat, ist wenig wahrscheinlich. Vielmehr dürften die hier zurzeit herrschenden Temperaturen von rund 30 Grad der Grund für den Verzicht auf den schwarzen Rolli gewesen sein. Und das ist eher ungewöhnlich. In San Francisco steigt das Thermometer selbst im Hochsommer selten deutlich über 20 Grad.

Was Jobs der Apple-Fan-Gemeinde mitzuteilen hatte, hat uns am Mittwoch allerdings weniger interessiert, weil wir zu dieser Zeit im Knast waren. Gemeint ist damit die Zuchthausinsel Alcatraz, die rund zwei Kilometer vor dem Touristengebiet Fisherman’s Wharf in der Bucht von San Francisco liegt.

Zwischen 1934 und 1963 war das Eiland unfreiwillige Heimat für ganz schwere Jungs wie Al Capone und Co. Seit 1972 kann Alcatraz besichtigt werden und gilt inzwischen als eine der populärsten Touristenattraktionen in den USA. Die Tickets zum Preis von 26 Dollar pro Person einschließlich Überfahrt sind oftmals schon eine Woche im voraus vergriffen. Auch am Mittwoch gab’s keine Karten mehr, als wir zur Einschiffung am Pier 33 ankamen. Zum Glück hatten wir uns die Tickets für Alcatraz schon Tage zuvor im Internet besorgt.

Während der etwa 15 Minuten dauernden Überfahrt zur Insel hatten wir bei strahlendem Sonnenschein freie Sicht auf die Skyline von San Francisco, die Bay Bridge und nicht zuletzt auf die Golden Gate Bridge. Auch von der Insel selbst konnten wir später herrliche Ausblicke auf die Sehenswürdigkeiten in der Bucht genießen. Das war für uns auch der eigentliche Grund Alcatraz zu besuchen.

Inge und Julia waren freiwillig im Knast

Selbstverständlich gingen wir aber auch – freiwillig – in den Knast. Für die Führung durch das Hauptgebäude des ehemals berühmt-berüchtigten Bundesgefängnisses der Vereinigten Staaten stehen Audio-Guides auch in Deutscher Sprache zur Verfügung. In Form eines in Etappen aufgebauten Features wurden wir durch die Zellengänge begleitet, sahen in die engen käfigartigen Unterkünfte und hörten zum Teil gruselige Geschichten von vergeblichen Ausbruchsversuchen.

Die Silhouette von San Francisco

Nach gut drei Stunden war unser Rundgang durch den Hardcore-Knast beendet und wir erfreuten uns auf der Rückfahrt zum Festland an der Silhouette von San Francisco.

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