2011 USA-Südosten Reisetagebücher

Hilfe, Irene kommt!

Tagebuch US-Süden, Teil 6: Hurrikan-Warnung für unsere Reiseroute, Besuch auf der Boone Hall Plantation und jede Menge Shrimps bei „Bubba Gump“ in Charleston.

22. August 2011 (Horst). Die schlechte Nachricht gab’s heute Morgen in den lokalen Fernseh- und Radioprogrammen: Hurrikan „Irene“, der bereits auf der Karibikinsel Puerto Rico heftig gewütet hat, nimmt Kurs auf Florida, Georgia und South Carolina. Und das ist ausgerechnet unsere geplante Reiseroute für die nächsten Tage.

Über die Heftigkeit des fest zu erwartenden Unwetters an den Küsten der drei US-Bundesstaaten sind sich die Experten bislang noch uneins. Die Prognosen reichen zurzeit von „heavy rain“ bis „very serious“. Mag sein, dass wir unsere Reisepläne ändern müssen. Eigentlich wollten wir von Dienstagabend bis Samstagmorgen auf Hilton Head Island an der Grenze zwischen South Carolina und Georgia noch ein paar Tage am Strand verbringen. Sollten jedoch die vorläufigen Berechnungen der Meteorologen zutreffen, wird „Irene“ am Freitagmittag genau dort „aufschlagen“. Hurrikan-Warndienste im Internet sind inzwischen zu unserer „Pflichtlektüre“ geworden.

Als wir heute Morgen in Myrtle Beach in Richtung Süden starteten, war von Unwettern allerdings noch nichts zu spüren. Im Gegenteil – bei glühendem Sonnenschein trafen wir am späten Vormittag auf der „Boone Hall Plantation“ nahe Charleston ein und ließen uns zunächst bereitwillig die Einrichtung des – historisch nicht ganz korrekt – durch eine Klimaanlage gekühlten Herrenhauses von einer etwas überdrehten Fremdenführerin erklären.

Beklemmend war dann der Gang durch die „Slave Street“. In den neun Ziegelsteinhäuschen erhält man einen Eindruck von den erbärmlichen Verhältnissen unter denen hier bis zum Ende amerikanischen Bürgerkriegs Menschen schlimmer als Tiere „gehalten“ wurden. Einer ausgehängten Statistik ist zu entnehmen, dass zwischen 1711 und 1858 mehr als 173.000 Sklaven von Westafrika allein nach Charleston verschifft wurden, allerdings kamen nur 147.000 lebend in Amerika an. Wer die Transporte überstand, musste zumeist auf Plantagen schuften bis zum Umfallen. Auf der „Boone Hall Plantation“ gehörte dazu neben der Feldarbeit auch das Formen und Brennen von Ziegeln. Aus einer weiteren Statistik geht hervor, dass auf dieser Plantage im Jahr 1850 rund 4 Millionen Ziegelsteine von 85 Sklaven gefertigt wurden. Die Ziegel, die nicht gut genug für den Bau von Häusern in Charleston und anderswo waren, wurden zur Errichtung der Sklavenunterkünfte verwendet. Irreführend wirken die Behausungen unter den mächtigen Eichen heute fast ein wenig romantisch – allerdings nur aus der Ferne.

Die Besichtigung einer solchen Plantage ist „a must“ für Besucher von South Carolina, genauso wie der Besuch von Charleston. Nach den schlechten Wetternachrichten am Morgen und den doch ziemlich beklemmenden Eindrücken auf der „Boone Hall Plantation“ haben wir einen wundervoll unbeschwerten Abend in der historischen Altstadt der früheren Südstaaten-Metropole verlebt. Dazu beigetragen hat auch das Abendessen bei „Bubba Gump“. Die nach der Figur des farbigen Kriegskameraden von „Forrest Gump“ benannte Restaurantkette hat inzwischen über 30 Niederlassungen in den USA, Japan und Hongkong. Die beste Filiale soll allerdings die in der Market Street in Charleston sein. Nach reichlich Shrimps „Cajun Style“ und anderen Leckereien, serviert von einer frech-fröhlichen Bedienung, können wir dieser Einschätzung beim besten Willen nicht widersprechen.

Mehr zu Charleston und „Irene“ gibt’s morgen in unserem Reisetagebuch.

2 Kommentare zu “Hilfe, Irene kommt!

  1. Thomas D.

    Ich finde, der Hurricane hätte auch „Inge“ heissen können…. wenn man schon bei „I“ ist 🙂

  2. Horst Müller

    Wir – Julia und ich – wären auch traurig, wenn Inge kein “Hurrikan” wäre…
    Viele Grüße aus Hilton Head Island

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