2011 USA-Südosten Reisetagebücher

Ferien zwischen Hurrikan und Erdbeben

Tagebuch US-Süden, Teil 7: Die Menschen in Charleston bereiten sich auf „Irene“ vor und Inge überzeugt einen Officer von unserer „Unschuld“.

23. August 2011 (Horst). Ungewöhnliche Zwischenfälle bis hin zu mittleren Katastrophen sind leider schon fast zu einem festen Bestandteil unserer Ferien und Entdeckungsreisen geworden. Im Jahr 2007 bebte in Rom die Erde  während wir in einer Trattoria Pasta aßen. Ein Jahr später wurden in London alle Flughäfen wegen vermeintlicher Terrorgefahr gesperrt – einen Tag vor dem geplanten Rückflug nach München. Als wir im August 2008 erstmals mit der ganzen Familie New York besuchten, hätte ein Hurrikan fast unseren Heimflug verhindert. Wiederum ein Jahr später, im August 2009, starb Edward Kennedy an dem Tag als wir in seinem Heimatort Hyannis Station machten. Und nicht zuletzt – als wir im letzten Jahr Freunde von Inge in Barcelona besuchten, verlor „Barca“ das spanische Pokalfinale ausgerechnet gegen den Erzrivalen Real Madrid.

Diesmal kommt es allerdings „ganz dicke“. Während wir bei unserer heutigen Besichtigung von Charleston noch heftig darüber diskutierten, ob und wie wir in Anbetracht des nahenden Hurrikans „Irene“ unsere Reiseroute in Richtung Florida ändern sollten, kam die nächste „Katastrophenmeldung“. Auf dem Boardwalk am Hafen schrie plötzlich eine Amerikanerin neben uns auf „I can’t believe it, an earthquake!“ Die  aus Virginia stammende Touristin hatte gerade mit ihrer Tochter daheim telefoniert und erfahren, dass ihr Heimatort ziemlich „durchgeschüttelt“ worden sei. Schäden an ihrem Haus habe es zum Glück allerdings nicht gegeben. Am Abend erfuhren wir dann in den  Fernsehnachrichten, dass Auswirkungen des Erdbebens sogar in Savannah, also noch südlich von uns, zu spüren gewesen seien. In Charleston haben wir davon allerdings nichts bemerkt.

In der früheren Südstaatenmetropole bereiten sich die Einwohner inzwischen auf den nahenden Hurrikan vor. An der East Battery am Hafen werden die Fenster der wundervollen Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert mit Bretterverschlägen geschützt. Unser Reiseführer berichtete bei der Stadtrundfahrt am Vormittag, dass die „Charlestonians“, wie die Einwohner genannt werden, „sehr nervös“ seien. Viele würden sich mit Schrecken an „Hugo“ erinnern. Der Hurrikan hatte im September 1989 allein in South Carolina 27 Todesopfer gefordert und ganze Teile von Charleston regelrecht verwüstet.

Mag sein, dass die Befürchtungen diesmal unbegründet sind, zumindest in South Carolina. Nach den letzten Prognosen der Hurrikan-Experten wird „Irene“ vermutlich am Samstag wesentlich weiter nördlich, möglicherweise erst in New Jersey oder New York „auf Land treffen“. Wir haben deswegen zunächst unsere geplante Reiseroute fortgesetzt und sind am Abend in Hilton Head Island eingetroffen, einem großartigen Feriengebiet mit herrlichen Sandstränden an der Grenze von South Carolina zu Georgia – allerdings mit einiger Verspätung.

Der Grund dafür war ein Strafzettel über 25 Dollar wegen angeblich falschem Parkens, den wir an der Windschutzscheibe unseres Mietwagens vorfanden, als wir am Nachmittag in Charleston aufbrechen wollten. Auf dem Dokument war vermerkt, dass wir gegen das Bußgeld persönlich Beschwerde bei der Stadtverwaltung einlegen könnten. Ein Fall für Inge. Sie brauchte knapp eine Stunde um in der Behörde zunächst die mitwartenden Falschparker, dann eine Sachbearbeiterin und schließlich auch den entscheidunsbefugten „Officer“ von unserer „Unschuld“ zu überzeugen. Auf der Weiterfahrt in Richtung Hilton Head Island merkte Julia noch an, dass der „Behördenmensch“ wohl auch im eigenen Interesse ganz richtig gehandelt habe. „Sonst hätte er Hurrikan Inge kennengelernt.“ Julia spricht aus Erfahrung…

Top