Tagebuch US-Süden, Teil 13: Déjà-vu im Kennedy Space Center

29. August 2011. (Horst) Das ist ja „Toll“. Auf der rund 80 Kilometer langen Fahrt von unserem Hotel in Orlando zum Kennedy Space Center wurden wir gleich dreimal zur  Kasse gebeten. Dabei stieg die „Toll“, also die Autobahngebühr, jedes Mal geringfügig an:  Von 75 Cent bei der ersten Zahlstation über einen Dollar auf schließlich 1,50 Dollar. Kurz darauf hatten wir das Besucherzentrum des „Weltraumbahnhofs“ der NASA auf Merritt Island an der Ostküste Floridas erreicht.

Während der zweistündigen Busrundfahrt – mit zwei ausgedehnten Stopps auf dem riesigen Gelände – hatte ich zunächst das Gefühl, dass ich erst vor kurzer Zeit hier gewesen bin. Das Besucherzentrum, die Rundfahrtbusse, der Ablauf des Besichtigungsprogramms – das alles scheint sich in den vergangenen 32 Jahren kaum geändert zu haben. Ich erinnere mich genau – damals im Januar 1979 war ich besonders beeindruckt von dem „Vehicle Assembly Building“, also der Montagehalle für die Weltraumraketen. Das aus der Ferne wie eine große Pappschachtel wirkende Wahrzeichen des Kennedy Space Centers gehört bis heute hinsichtlich des Rauminhalts zu den größten (nicht höchsten) Bauwerken der Welt.

Vor 32 Jahren stürmten Tausende, vor allem amerikanische Touristen, das Kennedy Space Center, bestaunten Raketenteile, Astronautenkapseln und Filmvorführungen. Kein Wunder – im Jahr 1979 war die US-Raumfahrt noch in Takt. Damals war noch immer (fast) die ganze amerikanische Nation stolz auf die bemannten Mondflüge zwischen 1969 und 1972. Zudem wurde seinerzeit mit Hochdruck am Space Shuttle gearbeitet, das dann erstmals im Jahr 1981 vom Kennedy Space Center aus abhob.

Heute sieht es für die NASA eher düster aus. Nach der Landung der „Atlantis“ am 21. Juli dieses Jahres ist vorerst kein weiterer bemannter Raumflug geplant, zumindest kein  Amerikanischer mit Start vom Kennedy Space Center aus. Die Vereinigten Staaten sind bekanntlich nahezu pleite und können sich Männer auf dem Mond in absehbarer Zeit einfach nicht leisten.

Auch der freundliche NASA-Mitarbeiter Mark, den wir an der Observation Gantry nach der Zukunft des „Weltraumbahnhofs“ in Florida fragen, vermag uns keine überzeugende Auskunft zu geben: „Es gibt einige internationale Projekte und auch private Investoren haben Interesse.“ Und wann startet hier der nächste Raumflug? Mark zuckt mit den Schultern: „Vielleicht im Jahr 2016…?“

Mit den dahingeschwundenen Weltraumaktivitäten der USA scheint auch das Interesse der Amerikaner am Kennedy Space Center rapide abgenommen zu haben. Heute – zugegeben an einem Montag – verliefen sich nur wenige Besucher auf dem riesigen Gelände, die meisten von ihnen scheinbar aus Bayern. Julia hatte auch gleich eine passende Erklärung parat: „In unserem Englischbuch in der Schule wird das Kennedy Space Center als eine der wichtigsten Sehenswürdigkeiten in den USA beschrieben.“ In wenigen Wochen erhalten dann die Bayern Gegenbesuch aus Amerika – auf dem Oktoberfest in München.

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