Tagebuch US-Süden, Teil 17: Unser wundervoller Tag in den Everglades mit Alligatoren, Schlangen, Schildkröten, vielen Vögeln und überraschend wenig Mücken.

2. September 2011. (Horst) Der Spruch des Tages kam von J.D. Das ist der Airboat Driver, der uns am Freitagmorgen von der „Alligator Farm“ in Homestead mit rasender Geschwindigkeit und großem Krach ein Stück weit durch die Everglades chauffierte. „Don’t put your hand into the water, everything bites“, warnte uns J.D. als wir in sein eigenwilliges Gefährt einstiegen.Zunächst ging’s langsam an Dutzenden Alligatoren vorbei, die zum Greifen nahe durch das dunkel-trübe Wasser an unser Airboat heranglitten. Dann drehte der Driver auf und wir schossen mit ziemlicher Geschwindigkeit durch die Sumpflandschaft der Everglades. Jedes mal wenn J.D. sein Airboat um bis zu 360 Grad drehte, bekamen wir eine Wasserladung ab, weil wir in der ersten Reihe saßen. Der Spaß war’s allemal wert. Die knapp 30 Minuten lange Airboat-Fahrt (oder Flug) gehört ganz bestimmt zu den Höhepunkten unserer Reise.

Es war eine gute Idee gleich morgens gegen 9 Uhr die „Alligator Farm“ zu besuchen. Wir waren die ersten Gäste des Tages und hatten auch bei der Schlangen- und Alligator-Show nahezu Privatvorstellungen. Mit uns waren höchstens zwanzig weitere Besucher in der Anlage, in der Alligatoren, Amerikanische Krokodile, zahlreiche Schlangenarten, Schildkröten und sogar ein Florida Puma zu sehen sind. Im Vergleich zu den Preisen bei Disney und Co. in Orlando empfanden wir den Eintrittspreis von 23 Dollar inkl. Airboat dazu auch noch ausgesprochen günstig.

Nach gut zwei Stunden fuhren wir dann weiter in den eigentlichen Everglade National Park. Auf zwei Trails – das sind Rundwege von etwa einem Kilometer Länge – machten wir dann Bekanntschaft mit einer weiteren für diese Gegend typischen Spezies: den Mücken. Aus der Erfahrung eines früheren Besuchs in den Everglades hatte Inge der ganzen Familie wohlweislich Jeans und langärmlige Oberteile verordnet, dazu auch noch reichlich Mückenspray beschafft. Spätestens auf dem „Gumbo Limbo Trail“ wussten wir diese Vorsorge zu schätzen. Während andere Besucher entnervt mit den Moskitos kämpften, kamen wir ziemlich unbeschadet durch die Sumpflandschaft und konnten auf dem benachbarten „Anhinga Trail“ auf Alligator-Suche gehen. Mit Erfolg!

Die rund 70 Kilometer lange Fahrt durch die Everglades bis zur Südspitze nach Flamingo hat sich durchaus gelohnt. Zwar haben wir dort bei einer weiteren Bootstour nicht – wie erhofft – auch noch Amerikanische Krokodile zu sehen bekommen, dafür schwammen minutenlang Delphine neben unserem Boot her. Beeindruckend hier ist der Wechsel zwischen Mangrovensümpfen und weiten Seenlandschaften, die allmählich in den Atlantik übergehen.

Als wir heute Abend bei „Mamma Mia’s“, einem vorzüglichen „Italiener“ in Homestead,  zusammensaßen, haben wir immer noch um die Wette über diesen wundervollen Tag in den Everglades geschwärmt – und uns darüber gefreut, dass wir nicht gebissen wurden. Die paar Mückenstiche lassen sich schnell verschmerzen.

P.S. Bis zur Vorbereitung auf unsere Florida-Reise war mir nicht klar, dass es in den Everglades tatsächlich Alligatoren und Amerikanische Krokodile gibt. Die „Gators“ haben ein breiteres Maul, sind dunkler und bevorzugen Süßwasser. Dagegen sind die „Crocs“ vorwiegend in Atlantiknähe zu finden, weil sie sich im Salzwasser wohler fühlen. In den Wintermonaten soll man bei Flamingo an der Südspitze der Everglades gelegentlich beide Spezies auf engem Raum beobachten können. „Vertragen die sich denn?“, fragte ich unseren Bootsführer Jack auf der Tour am Nachmittag. „Nein, die kämpfen auch gegeneinander“, war seine Antwort. „Und wer gewinnt dabei?“ Jack: „Das größere Tier – das ist meistens das Croc.“

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