2011 USA-Südosten Reisetagebücher

The Rich and Shameless

Tagebuch US-Süden, Teil 18: Einen Tag zu Gast auf der „Schokoladenseite“ von Miami.

3. September 2011. (Horst) Gut, dass wir einmal mehr unserem Reiseführer nicht gefolgt sind, sonst wären wir am Samstag womöglich im Zoo von Miami gelandet. Wir sind lieber direkt zum Bayside Marketplace gefahren, haben ganz in der Nähe einen günstigen Parkplatz gefunden und sind gleich nach Ankunft zu einer Hafenrundfahrt gestartet. Titel der Tour: „Cruise to the Rich and Shameless“.

Bevor wir jedoch die Wohnorte der Reichen und Superreichen aus ziemlicher Nähe betrachten konnten, hatten wir zunächst einen traumhaften Blick auf die Skyline von Miami – die sich unserer Meinung nach durchaus mit der Südspitze Manhattans messen kann.

Weiter ging’s zunächst zu den „gewöhnlich Reichen“, die ihre Zweit-, Dritt- oder Viertwohnsitze in einer monströsen Wohnanlage auf Fisher Island am Rande des Hafens von Miami haben. Neben der amerikanischen Talk-Legende Oprah Winfrey und weiteren Größen wurde von der Reiseleiterin ausdrücklich Boris Becker als einer der berühmten Bewohner erwähnt. Ein weiterer Deutscher hat sein Anwesen ein paar Haus- oder besser wohl Inselnummern weiter auf Star Island. Um ehrlich zu sein, hatte ich vorher noch nie von Thomas Kramer gehört. Inge konnte sich daran erinnern, dass sie neulich in einer Illustrierten beim Friseur etwas über den aus dem Taunus stammenden mehrfachen Milliardär gelesen hatte. Der soll seine viele Kohle als Grundstücksmakler und Risikoanleger in den Staaten gemacht haben, ringt auf der „Insel der Reichen und Schamlosen“ offenbar aber immer noch um Anerkennung.

Als wir mit dem Ausflugsboot an Kramers beeindruckender Villa ganz langsam vorbeischipperten, produzierte sich der Mittfünfziger gerade vor einem Fernsehteam im Garten seines Hauses. Trotz des Schildes „Party in Progress“ schienen Kramer und eine sehr junge Schönheit die einzigen Gäste dieser merkwürdigen Veranstaltung zu sein.

Ob der Milliardär wirklich Spaß an seiner eigenen Party hatte, vermochten wir nicht einzuschätzen. Sicher ist, dass viele Exil-Kubaner, die an diesem Samstagnachmittag fernab der Reichen und Spinner am Bayside Marketplace zu heimischen Songs einer Live-Band tanzten, unglaublich viel Spaß hatten.

Wir haben auf der gesamten Reise nicht so viele glückliche Menschen gesehen – auch nicht bei Disney und Co. Viele von denen, die da tanzten, klatschten und die Band anfeuerten, waren vermutlich nur für einen Nachmittag zu Gast auf der „Schokoladenseite“ Miamis. Die Stadt mit dem klangvollen Namen im Süden Floridas ist eine der ärmsten der USA, hat eine der höchsten Kriminalitätsraten und ist Heimat von einigen Schamlosen.

Top