Tagebuch US-Süden, Teil 19: Viel Art Déco, einige Bauruinen und keine Parkplätze am Labour Day Wochenende in Miami Beach.

4. September 2011. Horst traf die Entscheidung für unseren autofreien Sonntag in Miami Beach schon bei Ankunft an unserem Hotel am frühen Samstagabend: „Unseren Mietwagen bewegen wir hier bis zu unserer Abfahrt nach Key West keinen Millimeter mehr weg“ (das hörte sich so an, als wenn er seinen Studis den nächsten Klausurtermin vorgibt).Zuvor waren wir bereits dreimal um das „The Claridge Hotel“ an der Collins Avenue gekreist, ohne überhaupt zum Gepäckentladen anhalten zu können. In den USA ist Labour Day Wochenende, d.h. der Montag ist auch noch frei und alle populären touristischen Ziele sind restlos überlaufen – ganz besonders Miami Beach. Zum Glück hatte „unser Papa“ zufällig eine Lücke auf einem öffentlichen Parkplatz gegenüber vom Hotel entdeckt. Das war denn auch der einzige freie Parkplatz, den wir während unseres Aufenthalts in Miami Beach sahen.

Also sind wir am Sonntagvormittag zu Fuß aufgebrochen, um das eigentliche Zentrum der Touristenmetropole am Ocean Drive mit seinen Art-Déco-Bauten zu erkunden. Die gut drei Kilometer haben wir bei glühend heißer Sonne abwechselnd auf dem prima angelegten Beach Walk oder direkt am Strand zurückgelegt. Unser Eindruck ist, dass es der Strand von Miami Beach bei langem nicht mit dem auf Hilton Head Island aufnehmen kann. Wegen einiger Bauruinen erinnerte uns die Szenerie teilweise sogar an den – inzwischen von uns verpönten – Myrtle Beach.

Das Bild ändert sich allerdings, wenn man das Art Déco Viertel mit seinen buntbemalten Hotels aus den zwanziger und dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts erreicht. Nahtlos geht es dann in die „Fressmeile“ von Miami Beach über, in denen die Touristen mit „Special Offers“ gelockt werden. Das ist sicherlich hübsch für’s Auge – allerdings weniger für den Magen. Ich habe in meinem Caesar’s Salat in einem angeblich „typischen spanischen Restaurant“ neben zu viel Essig und unappetitlichen Flecken am Tellerrand auch noch deutliche Hinweise auf die Haarfarben des Küchenpersonals vorgefunden.

Weil’s am Nachmittag immer schwüler wurde, haben wir uns von einem Taxi in unser Hotel zurückbringen lassen und sind noch ausgiebig Baden gegangen. Noch ein paar Hinweise zu unserer „Herberge“: „The Claridge Hotel“ ist mit seinem Baujahr 1928 für amerikanische Verhältnisse schon ein altehrwürdiges Gebäude. Eigentlich hat das Hotel so ziemlich alle Macken, die man sich vorstellen kann:

  • Kein freier Parkplatz für die Gäste;
  • als wir eincheckten, war die gebuchte Zimmerkategorie belegt;
  • in der (angeblich „upgegradeten“) Juniorsuite gab’s bislang zwei kleinere Wasserschäden;
  • die Schlüsselkarte ist regelmäßig defekt;
  • der Kühlschrank musste erst von einem Techniker instand gesetzt werden;
  • in der näheren Umgebung gibt’s kein Restaurant – unglaublich für die USA – nicht einmal einen McDonalds oder Co.;
  • das von einem Italiener aus Rimini betriebene Restaurant im Hotel verlangt den Gästen jede Menge Geduld ab (auf zwei Portionen Nudeln und ein Steak mussten wir heute Abend weit mehr als eine Stunde warten);
  • und schließlich funktioniert das Internet nur gelegentlich (weswegen unser Tagebucheintrag vom Samstag völlig verspätet ins Netz ging).

Halt – nicht dass uns jetzt jemand den „Urlaubretter“ von „RTL“ hier in Miami Beach auf den Hals hetzt: Wir fühlen uns in diesem „Laden“ sauwohl. Woran liegt’s? Vielleicht an der Architektur des Hauses in kitschig-spanischem Stil , dem herrlichen Innenhof mit Springbrunnen und Whirlpool, den Laubengängen statt „glatter“ Hotelflure oder an dem zwar spärlich jedoch geschmackvoll eingerichteten Zimmer mit Blick auf den Miami Beach Kanal und einem kuschelig weichen Bett. Es war schön für zwei Nächte, die Zweckmäßigkeit amerikanischer Hotels bzw. Motels mit diesem nicht ganz perfekten Kleinod zu tauschen.

Top