Daniel @fiene goes TV oder:
Ausflug in die mediale Zukunft

Daniel Fiene ist ein wenig aufgeregt. Seine Koffer sind schon gepackt. Ihn zieht es für die nächsten Wochen zum Fernsehen und damit  in ein kleines Container-Dorf auf dem Gelände des Bayerischen Rundfunks in München-Freimann. Gemeinsam mit dem netzbekannten Journalisten und Blogger Richard Gutjahr will er am Fernsehen der Zukunft basteln. Das  brandheiße TV-Projekt heißt „rundshow“

Für gewöhnlich wird der Bayerische Rundfunk ja eher als konservative „Sendeanstalt“ gesehen. Jetzt bietet das Dritte Programm aus München  einem Team von webaffinen  Fernseh-, Radio- und Onlinejournalisten die lang herbei gesehnte Chance das, was sie in unzähligen Diskussionen, Vorträgen und sogar Büchern (Der Universalcode) gepredigt und gelehrt haben, in eine interaktive TV-Sendung  umzusetzen

Daniels Freund Richard Gutjahr, beratend tätig für die Chefredaktion beim Bayerischen Rundfunk, hat das Projekt immer wieder angeschoben und wird die Sendung moderieren. Doch bevor es so weit ist, haben Redakteure, Techniker, Autoren und Programmierer noch alle Hände voll zu tun, um neue Workflows zu testen und am richtigen  Sendekonzept zu feilen, das Web und TV sinnvoll zusammenführt.

In all meinen Jahren beim BR habe ich noch nie so eine heterogene Truppe an einem Projekt arbeiten sehen“ – Annik Rubens im „Rundshow-Blog“

Annik Rubens, Deutschlands bekannteste Podcasterin, stellt die buntgemischte Mannschaft im „Rundshow-Blog“ vor.

Save the Date

Vier Wochen lang, vom 14. Mai bis 7. Juni, wollen Gutjahr und sein Team von Montag bis Donnerstag ab 23:15 Uhr auf Sendung gehen und versuchen, „Web und TV, Publikum und Programm-Macher, möglichst geschmeidig zusammenzubringen“, umschreibt Gutjahr das Ziel. „Vieles, was auf dem Schirm so beiläufig daherkommt, ist in Wirklichkeit bis ins kleinste Detail inszeniert und geplant“, sagt Gutjahr. Professionell betrachtet gehe es bei diesem Projekt den Fernsehleuten darum, Erfahrung mit neuen Kommunikationswegen zu sammeln und neue Kanäle und Formen von Zuschauerbeteiligung zu erproben. Jetzt, wo die heiße Planungsphase begonnen hat, gibt Gutjahr zu: „Ein bisschen Schiss habe ich auch. Aber das gehört wohl dazu.“

Sind Radioleute spontaner als Fernsehmacher?

Auch Daniel Fiene, der „Radiotyp aus Düsseldorf“ (O-Ton Daniel),  fährt mit noch vielen offenen Fragen nach München: „Muss ich einen übergroßen Digital-Bildungsauftrag in meinen Koffer packen? Oder reicht es, ein gutes Beispiel zu sein?“

Muss ich eine Portion Spontaneität eines Radiomachers einpacken, um nicht nur die gerne sehr genau planenden Fernsehleute an den Rand des Nervenzusammenbruchs zu treiben, sondern dem Projekt eine persönliche Note zu ermöglichen?“ – Daniel Fiene

„Klicken Sie sich rein, bei uns ins Internet“ – solche „kirmeshaft“ klingenden Sätze soll es, hofft  Daniel, in der „rundshow“ nicht geben. „Das Internet muss so in die Sendung eingebaut werden, wie wir es auch im Alltag nutzen. Einfach eine Mail vorlesen, einfach Facebook-Reaktionen berücksichtigen oder auch mal gucken, wie das Feedback bei Twitter ist. Konzentriere ich mich auf die Inhalte, werden Zuschauer, die etwas zu sagen haben, schon ganz von alleine wissen, wie sie uns kontaktieren können“, glaubt Daniel.

Was ist das für ein Typ?

Daniel Fiene, Generation 30+, liebt trotz aller Internetbegeisterung das Medium Radio über alles, weil es eine Gefühlswelt aufbauen kann, wie kein anderes. Im Hauptberuf ist er Redakteur und Moderator beim Lokalradio Antenne Düsseldorf.

Der – im durchaus positiven Sinne – mediale Tausendsassa hat ganz schön was zu tun, sein Werdegang liest sich beeindruckend. Wer kennt einen Radiojournalisten, der so  selbstverständlich zwischen den Mediengattungen und den öffentlich-rechtlichen und privaten Radioanstalten hin und her wandert wie Daniel?

1982 in Münster, Nordrhein-Westfalen, geboren, zog es ihn gleich nach dem Abitur zum Internetradio SF. Dort lernte er Dennis Horn kennen. Die beiden gründeten 2004 das Büro fiene,horn und konzipierten fleißig Webprojekte. Im gleichen Jahr startete er gemeinsam mit „Herrn Pähler“  das wöchentliche Medienmagazin „Was mit Medien“. Bei RTL betreute Fiene  die „Hör mal, wer da hämmert“-Internetseiten. Es folgten ein Geschichtsstudium, die Chefredaktion beim Studentenradio, ein Volontariat bei Antenne Düsseldorf, freie Mitarbeit bei der Deutschen Welle, dem RBB, dem WDR und DRadio Wissen. Dazwischen liegen ein Bloggerbuch, ein Podcastbuch und die Mitarbeit am „Universalcode“, einem Handbuch von Praktikern für die neue Journalistengeneration. Für seine innovativen Programmideen wurde Daniel Fiene mit Hörfunkpreisen der Landesmedienanstalt Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. 2012 gehört er erstmals zur siebenköpfigen Nominierungskommission des Grimme Online Awards.

Für die „Sendung mit dem Internet“ erhielten Daniel Fiene und Kollegin Franziska Bluhm den LFM-Hörfunkpreis.

Daniel Fiene betreibt nicht nur ein eigenes Blog, in dem man regelmäßig lesen kann, was er so treibt und was es neues in der Webszene gibt. Er war unter anderem schon Gastblogger für Weltonline, für die Axel-Springer-Akademie und demnächst plant er eine eigene Zeitung.

Wenn Daniel Fiene Urlaub macht,

….dann fliegt er vorzugsweise nach Amerika und verbindet das gleich wieder mit Weiterbildung und Arbeit. Schnell ein Besuch bei N24-Korrespondent Manuel Koch, der ihn mal eben für seine tägliche Börsensendung aus der New Yorker Wallstreet interviewt. Abends schaut Daniel dann bei der Aufzeichnung einer Quizsendung von NPR vorbei. NPR ist der öffentlich-rechtliche Mantelanbieter für US-Radiostationen.

Der United-Flug von New York nach San Francisco bietet gegen Bezahlung Wi-Fi an und selbstverständlich ist Daniel mit 15 Dollar dabei und bloggt und skyped aus den Wolken gleich noch mit dem Radiokollegen Jörg Wagner in Berlin, der für den RBB ein wöchentliches Medienmagazin produziert, für das auch Daniel regelmäßig Beiträge zuliefert.

Daniel Fiene zu Gast bei Leo Laporte, dem vermutlich berühmtesten Podcaster weltweit (Foto: Fiene).

In San Francisco hat Daniel ein beneidenswertes Date beim weltbekannten Tech-Journalisten und Medienunternehmer Leo Laporte ausgehandelt, der aus seinen Studios im Norden von San Francisco Internet-TV ins Netz streamt. Danach geht’s weiter nach Austin (Texas). Daniel hat sich angemeldet für die South by Southwest Interactive. Diese mehrtägige Mammutveranstaltung ist eine Mischung aus Film-, Musik- und Techfestival, mit vielen Workshops rund um die digitale Welt.

Jetzt kommt Daniel richtig in Action: Für die Sendung Breitband von Deutschlandradio Kultur hat er eine Reportage aufgenommen und  komplett auf seinem Smartphone produziert. Schnell ein Gespräch mit den Kollegen seines Medienpodcast „Was mit Medien“ und selbstverständlich meldet er sich auch in die Sendung mit dem Internet bei Antenne Düsseldorf, um über die Konferenz zu berichten, die als Pilgerstätte für Tech-Begeisterte gilt.

Zurück aus Amerika verlässt er beim heimatlichen  Zwischenstopp in Düsseldorf nicht einmal die Wartehallen. Er besteigt die nächste Maschine nach Barcelona. Sie bringt ihn zu den Radiodays Europe 2012, wo Daniel als Referent auf dem internationalen Broadcast-Kongress erwartet wird.

Wie kann man das nur alles schaffen?

Diese Frage wird Daniel öfters gestellt. „Wenn man an einer Sache Spaß hat, dann schafft man das auch, dann fühlt sich das gar nicht mehr nach Arbeit an und fluppt schon von alleine.“ Daneben treibt ihn eine unbändige Neugierde, alles auszuprobieren, was in den Medien machbar ist. Daniel setzt auf Teamwork mit „tollen Kollegen, ohne die das alles gar nicht stemmbar wäre“.

Daniel Fienes Erfolgsrezept verriet er mir über den Dächern von Barcelona: „Der Job muss einfach Spass machen.“

Wie auch immer das Experiment „rundshow“ ausgehen mag: Für alle, die pioniermäßig daran beteiligt sind, wird es eine unvergessliche und wichtige Etappe in ihrem Berufsleben bleiben. Und am 7. Juni, dem Tag an dem das „rundshow“-Experiment endet, werde ich Daniel fragen, ob Radio immer noch das Medium ist, das er am meisten liebt. :-)

Viel Glück!