2012 East-West-Central Reisetagebücher

Auch ohne „Walfahrt“ restlos glücklich

9. Teil unseres Reisetagebuchs „East-West-Central“ mit einer Art Liebeserklärung an Victoria auf Vancouver Island.

Schöner kann ein Ferientag kaum enden. Wir sitzen auf der Mole des Stadthafens von Victoria auf Vancouver Island und blicken in den Sonnenuntergang. Vor uns haben wir drei dicke Portionen Lachs mit Salat, für die wir mehr als eine halbe Stunde bei „Red Fish, Blue Fish“ angestanden haben. Dabei handelt es sich keinesfalls um ein Nobelrestaurant, sondern um eine Art Imbissbude, an der den ganzen Tag über Urlauber und Einheimische für unglaublich große und leckere Fischgerichte wie gegrillten Lachs auf Salat, Fish and Chips mit Heilbutt oder Scallops im Teigmantel Schlange stehen. Alles wird frisch zubereitet; beim gegrillten Lachs spürt man einen Hauch vom Holzkohlengrill, der den würzigen Geschmack jedoch keinesfalls verdirbt, sondern vielmehr unterstützt.

Hin und wieder taucht ein Wasserflugzeug am Horizont auf, das bald darauf im äußeren Hafenbecken landet und schließlich an einem Steg vor dem Abfertigungsgebäude neben „unserer Fischbude“ festmacht. Victoria hat laut Angaben in den Prospekten den verkehrsreichsten Wasserflugplatz der Welt. Wir können das gut nachvollziehen. Schon bei unserem ersten Besuch im Hafen am Vormittag war uns das ständige Starten und Landen der kleinen Maschinen mit den Wasserkufen aufgefallen.

Im Stadthafen von Victoria, der von dem Parlamentsgebäude der Provinz British Columbia und mehreren Luxusherbergen begrenzt wird, herrscht den ganzen Tag über bis nach Sonnenuntergang ein sprichwörtliches buntes Treiben, ohne dass dabei der Eindruck von Hektik entsteht. Zwischen Yachten, Ausflugsschiffen und Wasserflugzeugen bahnen sich kleine Wassertaxis ihren Weg, die aus der Ferne wie ferngesteuerte Schiffsmodelle wirken.

An fast jeder Ecke werden den Besuchern Whale Watching Touren für umgerechnet etwa 80 Euro angeboten. Und das in der Regel sogar mit einer zweifelhaften Garantie:  Sollten die Gäste bei einer Ausfahrt mit den schnellen Zodiacs oder einem der größeren Ausflugsboote einmal keine Wale zu sehen bekommen, kann die Tour kostenlos wiederholt werden. Nur – den Termin dafür bestimmt der Veranstalter. Meistens sind dann die enttäuschten Gäste schon längst wieder abgereist.

Wir haben am Donnerstag mit Rückkehrern von einer solchen Tour gesprochen, die gerade von Bord eines Ausflugsboots der Firma „Prince of Whales“ an Land gingen. Alle waren blass von dem rauen Seegang, der an diesem Vormittag herrschte. „Obwohl einige von uns reichlich Fische gefüttert haben, hat sich kein Wal blicken lassen“, meinte eine amerikanische Touristin sichtlich zerknirscht.

Also haben wir auf die „Walfahrt“ verzichtet und sind am Nachmittag gegen den anfänglichen Widerstand von Horst zu den Butchart Gardens gefahren. Das ist ein wundervoll gestalteter Botanischer Garten, rund 20 Kilometer nördlich von Victoria. Bei unserem rund dreistündigen Rundgang haben wir unter anderem den tiefer gelegten  „versunkenen Garten“, ein prächtiges Rosenareal sowie den italienischen und japanischen Teil bewundert. Obwohl Horst immer noch behauptet, dass Bonsai nichts anderes als „Broccoli made in Japan“ sei, war er am Ende genau so begeistert wie Julia und ich.

Am Ende des Tages sind wir auch ohne „Walfahrt“ restlos glücklich. Morgen (Freitag) geht’s weiter nach Vancouver. Dafür muss ich jetzt noch eine Unterkunft finden und mache deshalb für heute Schluss. Gute Nacht aus Victoria auf Vancouver Island.

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