2012 East-West-Central Reisetagebücher

Selbstauslöser am „Last Spike“

13. Teil unseres Reisetagebuchs „East-West-Central“ ohne deutsche Brötchen und ohne Fotografen für unser Familienportrait. Dafür mit einem unglaublich langen Güterzug.

Es gibt Ferientage, an denen nicht alles so läuft, wie man sich das vorgestellt hatte. Mit den frischen Brötchen hat es heute Morgen in Lillooet leider nicht geklappt. An der kleinen deutschen Bäckerei in der Main Street hing das Schild „Closed – try again“. Auf die mögliche Wiedereröffnung wollten wir doch nicht warten und haben rund 125 Kilometer weiter östlich in Kamloops in einer Starbucks-Filiale gefrühstückt.

Die Landschaft am Trans-Canada Highway, den wir heute den ganzen Tag nicht verließen, war zumeist steinig und wenig bewaldet. Zwischendurch konnten wir immer wieder in tiefe Felsenschluchten blicken, durch die sich der Fraser River seinen Weg bahnt oder Seen wie der Kamloops Lake die eher karge Landschaft etwas auflockern.

In Sicamous, einem nicht besonders hübsch angelegten Bootshafen am weitverzweigten Shuswap Lake sind wir dann das erste Mal „unserem“ Güterzug der Canadian Pacific Railway begegnet. Von zwei Diesellokomotiven gezogen, ratterten minutenlang Wagen um Wagen über die Eisenbahnbrücke, die den kleinen Hafen vom See trennt. Horst hat tatsächlich den gesamten Zug gefilmt und später die Güterwagen nachgezählt: Es waren genau 99.

Das zweite Mal sahen wir den Zug am „Last Spike“. An dieser Stelle in Nähe der kleinen Ortschaft Craigellachie wurde am 7. November 1885 mit dem symbolischen Einschlagen des letzten Nagels in eine Schwelle die transcontinentale Eisenbahnverbindung zwischen den kanadischen Zentren im Osten und Vancouver geschlossen. Zur Erinnerung an dieses für Kanada so wichtige Ereignis, gibt’s heute hier ein paar historische Fotos, einen ausrangierten Eisenbahnwaggon sowie einen Souvenirladen – aber keine Besucher. Zumindest nicht, als wir am Nachmittag am „Last Spike“ eintrafen und das schon fast obligatorische Familienfoto von einem Touristen „schießen“ lassen wollten. Da blieb Julia, die für die Bebilderung unseres Reisetagebuchs zuständig ist, nichts anderes übrig, als das heutige „Familienportrait“ per Selbstauslöser aufzunehmen.

Später haben wir dann „unseren“ Zug in Revelstoke, dem Ziel unserer heutigen Etappe, zum dritten Mal gesehen. Die Waggonschlange zog sich auf den Gleisen parallel zur Main Street durch die gesamte Kleinstadt und darüber hinaus. Offenbar in Erinnerung an seine sehr weit zurückliegende Karriere als jugendlicher Modellbahnbauer hat Horst die Länge des Zuges mit Hilfe des Kilometerzählers unseres Mietwagens abgemessen. Er kam auf genau eine Meile – also auf rund 1,6 Kilometer.

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