Im 14. Teil unseres Reisetagebuchs „East-West-Central“ berichten wir davon, wie der gute Ratschlag eines kanadischen Verkehrspolizisten uns zu einem besonders beeindruckenden Tag verhalf.

Blöder hätte der heutige Ferientag eigentlich nicht beginnen können. Als wir am Morgen in Revelstoke aus unserem Motel kamen, blickten wir in tiefgraue Wolken. Eher missmutig fuhren wir auf dem Trans-Canada Highway in Richtung Osten. Vor uns ein schwer beladener Sattelschlepper, der deutlich unter der erlaubten Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 KM/Stunde dahinschlich. Endlich eine lange Gerade. Horst drückte aufs Gas und überholte das Hindernis. Kurze Zeit später winkte uns am rechten Straßenrand ein Verkehrspolizist zu. In Erwartung einer saftigen Geldbuße drehten wir um und fuhren zu dem kanadischen Ordnungshüter zurück. Der lächelte uns nur milde an, sagte aber bestimmt: „Slow Down!“ Dann meinte er noch, dass dieser Ratschlag diesmal gratis sei. Glück gehabt.

Es war die Wende zum Positiven an diesem Tag. Kurze Zeit später, wir fuhren gerade in den Glacier National Park ein, rissen die Wolken auf und wir hatten von der östlichen Seite einen herrlichen Blick auf den Gletscher am Mount Revelstoke. Wenig später, nachdem wir das kleine Städtchen Golden passiert hatten, beobachteten wir am Straßenrand eine Bergziegenfamilie, die sich von den vielen Autos auf dem Highway gleich nebenan in keinster Weise stören ließ.

Unseren ersten Halt im folgenden Yoho Nationalpark machten wir an der Natural Bridge. Dabei handelt es sich um eine Felsformation in den reißenden Fluten des Kicking Horse River, über die man trockenen Fußes ans andere Ufer gelangen kann. Inge und Julia haben’s selbst ausprobiert; daraufhin ist ihnen gleich eine „ganze Busladung“ chinesischer Touristen auf dieser vermeintlich waghalsigen Flussüberquerung gefolgt.

Nur acht Kilometer weiter konnten wir uns davon überzeugen, dass der Emerald Lake seinen Namen völlig zu recht trägt. Das smaragdfarbene Wasser mit den hohen, teilweise schneebedeckten Bergen im Hintergrund wählten wir spontan als Kulisse für unser heutiges Familienfoto aus.

Der Yoho Nationalpark hat mindestens noch ein weiteres Highlight zu bieten: Kurz vor dem Übergang zum Banff Nationalpark stürzen die vom Daly Gletscher gespeisten Takakkaw Falls über 381 Meter in die Tiefe. Es ist der vierthöchste Wasserfall Kanadas und wirkt so mächtig, dass die fast gegenüberliegenden, immerhin 180 Meter hohen Twin Falls von kaum einem Touristen beachtet werden.

Zurück im Auto wollten wir möglichst rasch zum Lake Louise weiterfahren. Ganz so schnell ging’s dann doch nicht. Auf dem Trans-Canada Highway wurden wir immer wieder durch Schilder mit der Aufschrift „Slow Down“ auf Baustellen aufmerksam gemacht. Für die rund 30 Kilometer von den Takakkaw Falls zu dem wahrscheinlich bekanntesten Urlaubsort Kanadas benötigten wir schließlich gut eineinhalb Stunden. Als wir schließlich den von Bergen umhüllten Lake Louise erreichten, hatte sich die Sonne gerade für diesen Tag verabschiedet.

Wir werden auf der Rückfahrt nach Seattle am nächsten Dienstag ganz bestimmt hier erneut Station machen, um dann bei hoffentlich strahlendem Sonnenschein weitere Bilder von der schon fast kitschigen Naturkulisse „zu schießen“, die irgendwie Ähnlichkeit mit dem Königssee bei uns in Oberbayern hat.

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