2012 East-West-Central Reisetagebücher

Über Schwarzbären, Grizzlys und Erdhörnchen

16. Teil unseres Reisetagebuchs „East-West-Central“: Mentale Vorbereitungen auf unsere Ausflüge in die kanadische Wildnis.

Wer – so wie wir heute – ganz gemütlich durch den hübschen Ferienort Banff schlendert, dem werden bald Aushänge in vielen Schaufenstern auffallen, mit denen für „Bear Spray“ geworben wird. Laut Aufschriften auf den Verpackungen handelt es sich dabei um ein Pfefferspray, das angreifende Bären oder Grizzlys angeblich sofort in die Flucht schlagen soll. Eine in den USA und Kanada übliche „Money Back Guarantee“ bei unzureichender Wirkung wird allerdings nicht eingeräumt. Wegen der fehlenden Garantie haben wir auf den Kauf dieser vermeintlichen Wunderwaffe verzichtet und uns lieber mental auf die geplanten Ausflüge in die kanadische Wildnis vorbereitet. Hilfreich dabei ist der Prospekt „Bear Viewing Guide“, den wir im Information Center erhielten. Darin wird zunächst der Unterschied zwischen den in dieser Gegend verbreiteten Schwarzbären und Grizzlys erläutert:

Die Farbe ist kein guter Indikator. Auch Schwarzbären können wie die Grizzlys ein braunes Fell haben. Bessere Unterscheidungen bieten die unterschiedlichen Formen des Rückens und der Gesichtszüge. Außerdem sind die Krallen des Grizzlys doppelt so lang.

Also werden wir uns bei der ersten Bärenbegegnung erst einmal die Vorderpfoten zeigen lassen, um überhaupt einordnen zu können, wer uns da möglicherweise bedrohlich gegenübersteht. Auch für diese Situation bietet der Bärenratgeber wertvolle Tipps:

Die Stimmung eines Bären können Sie an seiner Körpersprache erkennen. Ein relaxter Bär wird Ihnen kaum Beachtung schenken. Was tun: Ruhig verhalten und die Show genießen. Wenn sich ein Bär allerdings auf die Hinterbeine stellt, ist Vorsicht geboten. Er könnte aggressiv werden. Was tun: Reden Sie ruhig auf den Bären ein, sodass er weiß, dass Sie ihm nichts Böses anhaben wollen. Dann sollten Sie sich langsam von ihm entfernen.

Hoffen wir mal, dass die Schwarzbären und Grizzlys, denen wir vielleicht in den nächsten Tagen begegnen könnten, diese Verhaltensregeln ebenfalls kennen. Dass so eine Begegnung nicht völlig auszuschließen ist, zeigt die Titelgeschichte in der aktuellen Ausgabe der lokalen Wochenzeitung „The Banff Crag & Canyon“. Erst am vergangenen Samstag musste die Strecke eines Radrennens mit 1.500 Teilnehmern in der Region um Banff um 40 Kilometer verkürzt werden. Grund: Auf dem Bow Valley Parkway hatten die Organisatoren morgens eine Schwarzbärenmutter mit ihren drei Jungen entdeckt und daraufhin die Teilstrecke für Radfahrer gesperrt. Auf dieser Straße sind wir übrigens am Mittwoch in die Lake Louise Region gefahren – da hatte sich die Bärenmama mit ihrem Nachwuchs allerdings schon wieder verzogen.

Die hilfreichen Tipps im Umgang mit Bären und Grizzlys haben wir heute bei einer anderen wilden Spezies der Region mit Erfolg ausprobiert. Das Erdhörnchen, das ein Loch unterhalb unserer Terrasse bewohnt, hat uns tatsächlich nicht angegriffen, obwohl es sich zunächst bedrohlich auf die Hinterbeine stellte. Schließlich hatten wir ruhig auf das possierliche Tierchen eingeredet.

2 Kommentare zu “Über Schwarzbären, Grizzlys und Erdhörnchen

  1. Euer Reisetagebuch wird immer besser. Der letzte Absatz hier – großartig 🙂 Wir können die jeweils neuen Folgen kaum abwarten. Aber wir freuen uns natürlich auch sehr, wenn es wenigen Tagen heißt: „Heute fahren wir nochmal nach Seattle.“

  2. Liebe Ulli, Dein Kommentar freut uns sehr! Schon jetzt denken wir mit Wehmut an die schönen Tage in Seattle zurück – ein Höhepunkt unserer Reise. Nochmals herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft! Sehen uns hoffentlich am Mittwoch im Outback 🙂 Liebe Grüsse an die ganze Family! Inge, Horst & Julia

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