Im 20. Teil unseres Reisetagebuchs berichten wir über unsere „Bärenjagd“ in den Rocky Mountains und den Besuch auf Kanadas berühmtester Ranch.

Am letzten Tag in Banff wollten wir’s unbedingt wissen: Ein Bär musste her; am besten ein Grizzly am Straßenrand aufrecht stehend, uns freundlich zuwinkend, sodass wir ihn aus unserem Auto bequem hätten fotografieren und filmen können. Daraus wurde bislang nichts. Obwohl wir nahezu allen im Internet verbreiteten Geheimtipps für die Bärenjagd per Kamera in der Umgebung von Banff gefolgt sind, wollte sich für uns einfach kein Meister Petz in Pose stellen. Dafür haben wir heute Morgen einen kapitalen Bock mit unserer Kamera „schießen“ können. Ganz in der Nähe unseres Hotels graste friedlich ein ausgewachsener Wapiti-Bulle am Waldesrand, der sich von dem gut ein Dutzend Schaulustigen in seiner unmittelbaren Nähe überhaupt nicht stören ließ.

Eigentlich wollten wir heute über die Sunshine Meadows ein paar Kilometer westlich von Banff wandern. Bei schönem Wetter soll man dort herrlich zwischen Seen, Bergen und Schluchten spazieren können. Doch das Wetter spielte leider nicht mit. Ausgerechnet im Westen hingen graue Wolken tief bis ins Tal hinein. Weil „Sonnenscheinwiesen“ ohne Sonnenschein ziemlich trist sein dürften, griffen wir einen Tipp von Peter Niedner als gelungene Alternative auf. Peter hatte uns vor einigen Tagen per Facebook auf die Rafter Six Ranch aufmerksam gemacht. Das rund 40 Kilometer östlich von Banff gelegene Areal mit typischen Ranch-Gebäuden, Koppeln und vielen Pferden erinnert an Western-Filme der fünfziger und sechziger Jahre.

Tatsächlich wurden hier mehrere Western gedreht, darunter im Jahr 1954 „Rivers of No Return“ mit Marilyn Monroe und Robert Mitchum. Die Monroe hatte sich bei den Dreharbeiten zu ihrem einzigen Western übrigens ein Bein gebrochen, was die Produktion des Filmes seinerzeit erheblich verzögerte.

Auf der Ranch trafen wir eine Familie aus der benachbarten Kleinstadt Canmore. Der Mann arbeitet als Holzfäller im Norden Kanadas und ist für das lange Labour-Day-Wochenende nach Hause gekommen. Unter anderem auch deswegen, um seinen Kindern das Reiten nach Westernart beizubringen. Wir staunten nicht schlecht, als wir den zweieinhalbjährigen Sohn fröhlich und selbstbewusst auf dem Pony sitzend sahen, während der Papa das Tier am Zügel über die Koppel führte. Noch mehr staunten wir allerdings, als das erst 14 Monate alte Brüderchen auf das Pony gehoben wurde und der „große Bruder“ den Zügel hielt.

Auf der Rückfahrt über den Trans-Canada Highway nach Banff am Nachmittag genossen wir dann einmal mehr das Farbenspiel, das durch Sonnenstrahlen, die sich an den Bergfelsen spiegeln, entsteht. Wir hatten wunderschöne Ferientage in Banff. Zu verdanken haben wir das auch Katharina Pocher. Die ehemalige Studentin von Horst arbeitet seit Juni für Parcs Canada in Banff und hatte uns schon vor der Reise mit vielen Tipps für unseren Aufenthalt in den Rockys versorgt.

Katharina hat uns bei einem gemeinsamen Abendessen versichert, dass Begegnungen mit Bären in der kanadischen Wildnis durchaus keine Seltenheit sind. Sie selbst ist schon fünfmal auf Schwarzbären und Grizzlys gestoßen. Auch wir haben die Hoffnung noch nicht ganz aufgegeben. Zu Beginn unserer morgigen Rückfahrt in Richtung Seattle wollen wir auf den ersten 50 Kilometern vom Trans-Canada Highway abweichen und auf dem parallel verlaufenden Bow Valley Parkway ein letztes Mal unser Glück versuchen. Vielleicht klappt’s ja, dass bei Sonnenaufgang ein Meister Petz am Straßenrand uns freundlich zum Abschied zuwinkt. Ansonsten müssen wir uns in Sachen Wildlife mit unserem kapitalen Bock und unzähligen Schnappschüssen von Streifen- und Erdhörnchen begnügen.

1 Kommentar zu “Ein kapitaler Bock

  1. Wir wollen Bären sehn, wir wollen Bären sehn, ……..

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