21. Teil unseres Reisetagebuchs „East-West-Central“: Sonnenaufgang in den Rocky Mountains – Sonnenuntergang am Pazifik. Dazwischen eine 825 Kilometer lange Autofahrt mit bester Stimmung „an Bord“.

Der Sonnenuntergang am Hafen von Bellingham kann sich wirklich sehen lassen. Die rund 70.000 Einwohner große Stadt im Nordwesten des US-Bundesstaates Washington ist das Ziel unserer heutigen 825 Kilometer langen Etappe, die morgens kurz nach Sieben in Banff, inmitten der Rocky Mountains begann.

Nachdem die ersten 50 Kilometer über den Bow River Parkway mangels Bären am Straßenrand etwas enttäuschend verliefen, hatten wir anschließend eine völlig stressfreie Autofahrt, die zunächst über den Trans-Canada Highway und ab Kamploops über die hervorragend ausgebaute kanadische Autobahn 5 bis an die US-Grenze führte.

Die Stimmung an Bord war bestens, vor allem nachdem wir bereits 150 Kilometer vor der Grenze unseren amerikanischen Lieblingssender „92.9 KISM“ im Autoradio empfangen konnten. Die Classic-Rock-Station aus Bellingham hatten wir bereits auf Vancouver Island und später auch noch in Vancouver regelmäßig eingeschaltet. Bei Titeln wie „Free Bird“ von Lynyrd Skynyrd oder „Hurts so good“ von John Mellencamp war „unser Fahrer“ nicht mehr zu halten und schmetterte die Songs laut mit. Julia, die heute zumeist die Rolle der Co-Pilotin übernommen hatte, musste sich nicht nur zeitweise die Ohren zuhalten, sondern auch noch darauf achten, dass ihr altrockender  Vater dabei nicht zu sehr auf das Gaspedal trat.

In Kanada sind – ähnlich wie in den USA – die  Geschwindigkeiten selbst auf gut ausgebauten Autobahnen zwischen 80 und 100 Kilometer pro Stunde strikt reglementiert. Wobei nach unseren Beobachtungen die kanadischen Autofahrer im Gegensatz zu den US-Amerikanern diese Regeln auch peinlich genau einhalten, obwohl nur ganz selten Polizeistreifen auf der Straße zu sehen sind.

Den ganzen Tag über hatten wir uns während der langen Autofahrt schon auf frisches Seafood am Pazifik gefreut. In Bellingham angekommen, hatten wir dann allerdings einige Mühe, überhaupt ein geöffnetes Restaurant zu finden – was uns schließlich in dem hübsch angelegten Viertel „Fair Harbour“ unweit der Abfertigungsanlagen für die hier startenden Fähren nach Alaska doch noch gelang.

Wie in fast allen amerikanischen Tourismuszentren ist mit dem Labour Day am Montag auch hier die Sommersaison zu Ende gegangen. Schon wenige Tage später scheint Bellingham in den Herbstschlaf versunken zu sein. Der endet nach Angaben der Rezeptionistin unseres Motels kurz vor Weihnachten, wenn Tausende Ski- und Snowbordfahrer von Bellingham aus auf die Berge in der unmittelbaren Umgebung starten.

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