Im 25. Teil unseres Reisetagebuchs „East-West-Central“ zeigen wir euch Chicago vom Wasser und aus der „Luft“. Dazu gibt’s auch noch eine kulinarische Spezialität aus der Windy City.

Wer die Skyline von Chicago bei herrlichem Sonnenschein vom Lake Michigan aus bewundern darf und anschließend vom John Hancock Tower aus 344 Metern Höhe auf die mächtigen Wolkenkratzer hinunter schaut, hat einen unvergesslichen Ferientag erlebt – so wie wir heute. Während wir an der Reling des Ausflugsbootes standen und auf die sich langsam entfernenden modernen Türme der Windy City blickten, ging uns ein Musiktitel durch den Kopf, den wir am Freitag zufällig im Shoppingcenter „Water Tower Place“ gehört hatten: „Anything You Want“. Die Liveaufnahme aus einem Konzert des amerikanischen Sängers Jason Mraz in Chicago vereint Wohlgefühl, gute Stimmung und Gelassenheit – also alles das, was zu einem unvergesslichen Ferientag dazu gehört. Wir haben endlich unseren Urlaubshit 2012 gefunden.

Die 90 Minuten lange Bootsfahrt auf dem Chicago River zwischen unendlich hoch erscheinenden Beton- und Glasbauten war der erste Höhepunkt des heutigen Tages – allerdings nicht der Letzte. Horst hatte kurze Zeit später bei „Downtown Dogs“ sein besonderes „kulinarisches Erlebnis“. Während Julia und ich eher skeptisch auf die mit Ketchup, Senf, Mayonaise, Relish, Zwiebeln, Gurken und weiteren undefinierbaren Zutaten dekorierten Wiener Würstchen in weichen Brötchen blickten, biss „unser Papa“ voller Freude kräftig in seinen Hot Dog und orderte gleich noch einen zweiten nach. Nur mühsam – und mit überzogenen Hinweisen auf anschließende mögliche Übelkeit („jammere uns später nicht vor, dass dir schlecht ist“) ­– konnten wir ihn von einer dritten Portion abhalten.

Für einen ausgedehnten Lunch war an diesem herrlichen Sonnentag ohnehin kaum Zeit. Am frühen Nachmittag sahen wir uns vom John Hancock Tower von oben aus Chicago an. Der Wolkenkratzer, dessen Aussichtsplattform wir mit dem angeblich schnellsten Fahrtstuhl Amerikas in 40 Sekunden erreichten, ist nur das vierthöchste Gebäude der Stadt. Allerdings rieten uns alle Chicago-Kenner, dem Hancock Tower gegenüber dem 98 Metern höheren Willis Tower (früher Sears Tower, mit 442,3 Metern das höchste Gebäude der USA) den Vorzug zu geben, da die Lage für unvergleichliche Aussichten auf die Stadt und den Lake Michigan einfach besser sei.

Wir waren jedenfalls so beeindruckt, dass wir am Nachmittag rund zwei Stunden auf der Aussichtsplattform verbrachten und am Abend noch einmal zurückkamen. Im Vergleich zum Tage war das abendliche Erlebnis allerdings deutlich geringer. Die Aussicht – und vor allem das Fotografieren – wird durch die in der Dunkelheit spiegelnden Fenster erheblich beeinträchtigt. Zudem begann es während unseres zweiten Aufenthaltes auf dem Hancock Tower auch noch zu regnen. Außer einem „Standbild“ mit Julia als mutige Fassadenkletterin haben wir am Abend nur noch wenige weitere Fotos gemacht.

Insgesamt sind wir am Samstag wieder mehr als 10 Kilometer zu Fuß durch Chicago gelaufen. Deshalb waren wir froh, dass wir trotz des Regens am Abend schnell ein Taxi zurück ins Hotel bekamen. Vielleicht haben wir heute nicht alles bekommen, was wir uns vorgestellt hatten – aber das Allermeiste ganz bestimmt.

Top