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Paradies für Müll(er)

Im 10. Teil unseres Umzugstagebuchs wundern wir uns über die unkonventionelle Abfallbeseitigung in Hamburg.

Als gelernte Mülltrenner aus Oberbayern staunen wir nicht schlecht, wie einfach wir in Hamburg unseren Abfall loswerden. Bei Entrümpelung unserer Haushälfte in Stephanskirchen haben wir dagegen nahezu jedes Blatt auf etwaige Plastikrückstände überprüft und bei Bedarf penibel getrennt. Schließlich wachte im „Wertstoffhof mit Grüngutsammelstelle der Gemeinde Stephanskirchen“ ein gestrenger Aufpasser darüber, dass zwischen den kostenfrei entsorgbaren Papierabfällen nicht etwa Rest- und/oder Sperrmüll auf die Deponie geschmuggelt wird. Für einen viertel Kubikmeter vermeintlich wertlosen Abfalls – das ist kaum ein Wäschekorb voll – werden dort 7,50 Euro Entsorgungsgebühren fällig. Da ist es gut nachvollziehbar, dass wir in den vergangenen vierzehneinhalb Jahren versucht haben, unsere Abfallmengen so gering wie möglich zu halten.

Schade, diese gute Angewohnheit könnte uns in Hamburg bald schon wieder abhanden kommen. Hier steht in unserer Küche ein Abfalleimer, der fast das Volumen der Mülltonne in Stephanskirchen hat. Hamburger, so haben wir uns sagen lassen, schmeißen alles was in die Tonnen passt einfach in den Hausmüll. Und da passt so einiges hinein – vom ganz normalen Abfall bis zu alten Fernsehgeräten, Teppiche genauso wie große Kartonagen. Kein Wunder – den neun Mietparteien in unserem Haus stehen drei gigantisch große Abfalltonnen zur Verfügung, die dazu auch noch zweimal in der Woche von der Müllabfuhr entleert werden. Und wenn die Tonnen voll sind, wird der Rest einfach auf die Straße gestellt und bei der nächsten Müllentsorgung tatsächlich auch mitgenommen. Ein umweltbewusster Umgang mit Abfall sieht wohl anders aus. Immerhin – bei der Höhe der Müllberge in den Straßen hat Hamburg noch längst nicht Weltstadtniveau erreicht, wie ein Vergleich mit New York zeigt.

1 Kommentar zu “Paradies für Müll(er)

  1. Sehr sympathisch! Zumal ich davon ausgehe, dass Ihr wie ich Kinder der 70er und 80er und mit Emanzipation/ Feminismus sowie Mülltrennung sozialisiert seid, wie ich immer zu sagen pflege :))

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