2014 USA-Texas Reisetagebücher

Radeln durch den Central Park

Im zweiten Teil unseres Tagebuchs „Apple and Steaks“ berichten wir über unsere Radtour bei 35 Grad durch die größte und schönste Grünfläche von New York. Außerdem stellen wir euch unser Hotel Metro vor und lüften Victorias Geheimnis. 

Bei einer Reise passen gelegentlich auch mal Wünsche und Ratschläge bestens zueinander. Der Wunsch kam von Julia: Sie wollte während unseres New York-Aufenthalts diesmal unbedingt den Central Park erkunden. Und Susanne Bernard hatte uns via Facebook den Ratschlag gegeben: Leiht Euch ein Radl. Nichts schöneres als völlig relaxed mit dem Drahtesel durch NY. Ich hab’s gemacht und fand es einfach fantastisch!

Also, wir sind nicht mit dem Fahrrad durch die verstopften Straßen von Manhattan gefahren, dafür aber durch den Central Park, aus unserer Sicht die schönste Grünfläche, die wir jemals in einer Großstadt gesehen haben. Allen ernstes wurde neulich in einem Hamburg-Prospekt der heimische Stadtpark mit dem Central Park in New York verglichen. So sehr wir unsere neue Heimatstadt auch schätzen – dieser Vergleich ist etwa so absurd, wie der zwischen dem HSV* und Bayern München.

Wir sind Susanne dankbar für ihren Radl-Tipp, denn schöner als mit dem Fahrrad kann man den Central Park wohl nicht erkunden. Nach vorheriger Reservierung im Internet haben wir uns drei Räder am Rande der riesigen Grünfläche für drei Stunden ausgeliehen (15 US-Dollar pro Person). Das hört sich zunächst gewaltig lange an – ist es aber nicht, wenn man bei 35 Grad die 48 Sehenswürdigkeiten abklappern will, die der Park laut Prospekt zu bieten hat.

Wir mussten uns deswegen auf die wichtigsten Stops beschränken. Vom Belvedere Castle hatten wir einen wundervollen Blick über den gesamten Central Park hinüber zur Westseite mit dem Dakota Building, wo John Lennon zeitweise lebte und 1980 einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Kurze Zeit später erreichten wir den großen See, der nach der früheren First Lady benannt ist: Jacqueline Kennedy Onassis Reservoir. Bevor wir schließlich zur berühmten Bow Bridge kamen, wo zahlreiche Filmszenen gedreht wurden, mussten wir uns noch knapp 20 Kilometer auf dem gekennzeichneten Fahrrad-Rundweg abstrampeln. Zu unserer Überraschung weist die Strecke einige recht respektable Hügel auf, mit denen vor allem Horst zu kämpfen hatte. Seinen Beinamen „Bergziege“, den er sich bei früheren Radtouren rund um den Simssee in Oberbayern erworben hatte, ist „Vatern“ erstmal wieder los. Landsleute unter den Stramplern erkannten wir übrigens daran, dass sie brav vor roten Ampeln im Park anhielten, während alle anderen Radler die Verkehrssignale einfach ignorierten.

Wir waren jedenfalls ganz schön kaput, als wir am Nachmittag wieder in „unser“ Hotel Metro in der 35. Straße zurückkamen. Unsere Unterkunft gefällt uns richtig gut. Einmal wegen der zentralen Lage, fast direkt neben dem Empire State Buildung und dem Einkaufstempel Macy’s. Zum Times Square sind es kaum 10 Minuten zu Fuß. Alle weiter entfernten Ziele erreichen wir mit der Subway – so wird in New York die U-Bahn genannt – deren nächste Station höchstens zweihundert Meter vom Hoteleingang entfernt ist. Zudem haben wir statt des gebuchten Doppelzimmers für drei Personen, ein richtig großes Familienzimmer mit zwei Schlafräumen und insgesamt drei Queen-Size-Betten bekommen. Von der Dachterasse, die zwar „nur“ auf der 13. Etage zwischen den beeindruckenden Wolkenkratzerschluchten von Manhattan liegt, haben wir dennoch einen tollen Blick auf das bekannteste Gebäude der Stadt – das Empire State Building. Und – in unserem Hotel wird deutsch gesprochen. Nicht etwa vom Personal, sondern nach unserem Eindruck von den meisten Gästen. Das Metro ist ein Vertragshotel von Thomas Cook – unsere Mitbewohner sind also vor allem „Neckermänner“, die morgens verzweifelt mit dem im Preis enthaltenen kargen Continental Breakfast kämpfen: „Gucke mol, das gibt’s gar kei Wurscht.“

Das Metro hatten wir übrigens nicht selber über ein Reise- oder Hotelportal im Internet gefunden, sondern gemeinsam mit den Flügen nach/von Dallas mit Stopover in Newark von einem kleinen Reisebüro in Hamburg buchen lassen – und damit jede Menge Geld gespart. Julia hat offensichtlich die feste Absicht, einen Teil dieser vermeintlichen Ersparnisse in „Klamotten“ zu investieren. Einen Anfang machte sie heute schon mal bei Victoria’s Secret, wo es angeblich die unwiderstehlichsten Dessous geben soll. Und das – so versicherte zumindest auch Inge – zu unwiderstehlich günstigen Preisen. Sei’s drum. Am Donnerstag steht unter anderem das Century 21 auf unserem Tagesprogramm. Diese vermeintliche Ramschbude direkt am neuen One World Trade Center ist ein regelrechtes Paradies für Schnäppchenjäger. Edle Marken gibt’s dort, vor allem Schuhe zu günstigen Preisen. Da dürften dann auch für Horst einige neue Boxershorts abfallen.

*HSV – eigentlich Hamburger SV – ist ein ehemals angesehener Fußballclub, der in diesem Jahr sogar die Qualifikation für die 2. Bundesliga verpasste.

Top