2014 USA-Texas Reisetagebücher

Walking down memory lane in Dallas

Im sechsten Teil unseres Reisetagebuchs „Apple and Steaks“ bewegen wir uns auf den Spuren von J.R. Ewing auf der Southfork Ranch und besuchen den Ort an dem John F. Kennedy starb.

Als im Jahr 1991 die letzte der insgesamt 349 Folgen des Dallas-Originals im Fernsehen lief, waren es noch rund sieben Jahre bis zur Geburt unserer Tochter. Kein Wunder also, dass Julia nicht in Begeisterung verfiel, als der Familienrat am Sonntagmorgen mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit beschloss, die Southfork Ranch in der Gemeinde Parker, etwa eine halbe Autostunde außerhalb von Downtown Dallas, zu besuchen.

Selbst Inge, ausgewiesener Fan der TV-Serie, war zunächst enttäuscht, als wir den Ort erreichten, wo früher J.R. Ewing seine Gemeinheiten ausheckte, Sue Ellen darüber in Depressionen verfiel und Miss Ellie verzweifelt versuchte, die Familie irgendwie zusammenzuhalten: „Das hätte ich mir viel größer vorgestellt.“ Damit gemeint war vor allem das Wohngebäude, das von außen überschaubar wirkt, innen dann aber doch prächtige Räumlichkeiten bietet, die uns an die Kultserie der 1980er Jahre erinnerten.

Vor allem das Wohnzimmer mit dem Porträt des Familienoberhaupts Jock Ewing kam uns immer noch sehr vertraut vor. Tatsächlich wurde innerhalb des Wohngebäudes jedoch niemals eine Szene für die Fernsehserie gedreht – alle Innenaufnahmen entstanden in einem Filmstudio in Hollywood. Anachronismus pur: Erst in den 1990er Jahren wurden die Wohn- und Schlafzimmer der Familie Ewing auf Southfork den Hollywood-Kulissen nachempfunden. Dagegen enstanden auf dem Gelände der Ranch alle Außenaufnahmen, die auch im Fernsehen zu sehen waren, versicherte uns Nancy, die heutzutage Touristen durch das Gebäude führt und dabei mit mehr oder weniger wissenswerten Dallas-Legenden versorgt. Das mag zum Teil kitschig sein – uns hat der Besuch auf der wohl berühmtesten Ranch der Welt dennoch ausgesprochen gut gefallen. Julia hat ganz nebenbei ihr Traumhaus nebst Swimmingpool entdeckt.

Szenenwechsel. Wir sind jetzt in der Elm Street im Stadtzentrum von Dallas. Die wichtigste Sehenswürdigkeit der Millionenmetropole ist ein ehemaliges Lagerhaus, aus dem am 22. November 1963 mit großer Wahrscheinlichkeit die tödlichen Schüsse auf den damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy fielen. Der mutmaßliche Mörder Lee Harvey Oswald hatte sich wohl im sechsten Stock des damaligen Schulbuchlagers postiert und durch das rechte Fenster (auf dem Bild zweite Etage von oben, ganz rechts) die tödlichen Schüsse auf die Wagenkolonne abgegeben, die unten auf der Elm Street langsam vorbei fuhr.

Heute ist in dem Geäude das Sixth Floor Museum untergebracht. Auf dem durch Audio-Guides geführten Rundgang durch die sechste Etage werden mit Bildern, Requisiten und Filmen zunächst die frühen 1960er Jahre in Erinnerung gerufen, bevor der Mord an Kennedy ausführlich beleuchtet wird. Während in diesem Teil des Museums absolutes – und kontrolliertes – Fotografierverbot herrscht, können in der spärlich ausgestatteten obersten Etage wieder Aufnahmen gemacht werden. Zum Beispiel von Kennedys Porträt, das aus über 50.000 kleinen Fotos seiner Frau Jacqueline zusammengesetzt wurde.

Wir „Älteren“ hatten einen Sonntag der Erinnerungen in Dallas – die Amerikaner nennen das „Walking down memory lane“. Julia hat die Erinnerungen mit uns interessiert geteilt. Darüber sind wir sehr glücklich.

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