2014 USA-Texas Reisetagebücher

Tabubrüche am Rio Grande

Es gibt zwei Arten von Urlaubsmotiven, die  möglichst vermieden werden sollten: Sonnenuntergänge und Selfies. In der 16. Ausgabe unseres Reisetagebuchs „Apple and Steaks“ versuchen wir zu erklären, warum wir dieses ungeschriebene Gesetz dennoch umgangen sind.

Es ist unglaublich. Kurz nach dem Lajitas Golf Resort im äußersten Südwesten von Texas, wo wir für vier Nächte untergekommen sind (aber ganz bestimmt nicht Golf spielen), beginnt eine der schönsten Senic-Routen, die wir jemals in unseren Ferien befahren haben. Für die 80 Kilometer lange Strecke über die Texas Staatsstraße 170 bis zum Städtchen Presidio wird von Google Maps ein Zeitaufwand von knapp 90 Minuten ausgewiesen, wobei die vielen Geschwindigkeitsbegrenzungen in den engen Kurven schon berücksichtigt sind. Wir brauchten am Mittwoch für die Strecke allerdings fast die doppelte Zeit, weil wir uns den herrlichen Aussichten einfach nicht entziehen konnten, unzählige Bilder „schossen“ und immer wieder die unglaublich beeindruckende Landschaft bestaunten.

Die Straße führt am Rande des Big Bend Ranch State Parks (nicht zu verwechseln mit dem Big Bend Nationalpark, dahin kommen wir am Donnerstag) zumeist entlang des Rio Grandes, der auf einer Länge von insgesamt rund 2.000 Kilometern die natürliche Grenze zwischen den USA und Mexiko bildet. Wir hatten unterschiedliche Sichtweisen auf den Fluß, der einen so großen Namen trägt, wegen der Trockenheit in den vergangenen Jahren und zu vielen Wasserentnahmen stellenweise allerdings zum Rinnsal verkümmert ist. An anderen Stellen, wo der Rio Grande sich durch enge Schuchten windet, hörten wir sogar sein Wasser aus der Ferne plätschern.

Horst wollte unbedingt ein Erinerungsbild von der ganzen Familie mit dem Rio Grande im Hintergrund. Das Problem: Wir waren in dieser beeindruckenden Landschaft (fast) allein unterwegs. Auf der gesamten Strecke begegneten uns gerade mal drei Autos, davon ein Fahrzeug der US Border Patrol, die in dem Grenzgebiet nach illegalen Einwanderern aus Mexiko Ausschau hält. Also blieb nichts anderes übrig, als ein „Selfie“ aufzunehmen.

Okay. Wenn wir in unserem Reisetagebuch mit der Veröffentlichung eines „Selfies“ schon einen „Tabubruch“ begehen, können wir einen zweiten gleich noch dranhängen. Wir hoffen, dass unser Schnappschuss vom Sonnenuntergang am Rio Grande auch nur einigermaßen die Faszination widerspiegeln kann, die wir vor Ort selbst erlebten.

Top