2014 USA-Texas Reisetagebücher

„Unser“ Nationalpark in Texas

Wir sind steigerungsfähig: Nach der „eigenen“ Ranch in Texas, haben wir jetzt sogar einen ganzen Nationalpark (fast) zur Alleinbenutzung gefunden. Unser großartiger Tag im Big Bend ist Thema der 17. Ausgabe unseres Reisetagebuchs „Apple and Steaks“.

Im Yosemite Nationalpark in Kalifornien werden sich jetzt vermutlich die Autokolonnen im Schritttempo durch die Natur schieben und im Yellowstone National Park in Montana, dort wo Yogi Bär und Bubu die Picknickkörbe der Camper stibitzen, wird es zurzeit wohl schwer sein, überhaupt einen freien Zeltplatz zu finden. Nur im schönsten Nationalpark, den wir jemals auf unseren Reisen gesehen haben, sind wir (fast) allein unterwegs. Willkommen im Big Bend, der großen Kurve am Rio Grande, dem Grenzfluss zwischen den USA und Mexiko im Südwesten von Texas.

Der Big Bend hat so unglaublich viele Naturschönheiten zu bieten, dass wir unmöglich in der Lage sind, diese alle aufzuzählen oder gar in unserem Tagebuch abzubilden. Wir waren am Donnerstag mehr als zwölf Stunden in dem weitläufigen Park unterwegs und konnten dennoch nur einen Bruchteil von dem sehen, was die Natur hier im Südwesten von Texas zu bieten hat. Sollten wir aus dem heute gesehenen und erlebten ein Ranking bilden, würde der Santa Elena Canyon die Spitzenposition einnehmen. Der Rio Grande fließt an dieser Stelle durch eine besonders enge Felsenschlucht, wodurch der an anderen Stellen eher gemächlich erscheinende Fluss zum Wildwasser wird.

Wir fühlen uns im Big Bend zurzeit fast wie Exoten, weil deutsche Touristen hier ohnehin nicht in Massen auftreten und wir ausgerechnet in der „Low Season“ diese wundervolle Region bereisen. Die Hauptreisezeit liegt zwischen Oktober und April erzählte uns ein Ranger am Chisos Basin, einer Bergformation im Zentrum des Parks. In diesen Monaten sollen die Temperaturen wesentlich angenehmer sein als im August. Wir müssen dagegen zurzeit Hitzegrade in Kauf nehmen, die uns gelegentlich den Atem verschlagen. Am späten Donnerstagnachmittag kletterte die Außentemperaturanzeige in unserem Mietwagen auf 115 Grad Fahrenheit – das sind mal locker 46 Grad Celsius.

Offiziell ist jetzt dennoch Regenzeit im Big Bend. Obwohl wir selbst bislang nur in einen kurzen Schauer geraten sind, bekamen wir die Auswirkungen der vermeintlich feuchten Jahreszeit auf einer Dirt Road zu spüren. Nach meilenlanger Fahrt über staubtrockenes Geröll standen wir plötzlich vor einem unüberwindbaren Wassergraben. Wir mussten notgedrungen umkehren und einen Umweg von rund 60 Kilometern in Kauf nehmen, um am Abend sicher in unser Urlaubsquartier in Lajitas zurückzukehren. Jeder waghalsige Versuch, mit unserem nicht wirklich geländegängigen Jeep Cherokee dieses Hindernis zu überwinden, hätte unabsehbare Folgen haben können. Wären wir stecken geblieben, hätten wir ziemlich sicher die ganze Nacht im Park festgesessen. Schließlich waren wir am Donnerstag so ziemlich die einzigen Besucher des riesigen Big Bend Nationalparks.

Eigentlich wollten wir noch viel mehr berichten über diesen aufregenden Tag im Big Bend. Zum Beispiel von Schwarzbären, Berglöwen und Klapperschlangen. Heute abend sind wir dafür einfach zu müde. Wir holen das in unserem nächsten Tagebucheintrag nach – versprochen.

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