2014 USA-Texas Reisetagebücher

In the Middle of Nowhere

19. Teil des Reisetagebuchs „Apple and Steaks“: Auf unserer langen Fahrt vom Big Bend Nationalpark bis fast an die Texas Golfküste haben wir uns streckenweise sehr allein gefühlt. Nur die US Border Patrol hatte stets ein wachsames Auge – auch auf uns.

Nein, als „aufgregend“, „eindrucksvoll“ oder „besonders sehenswert“ kann man die knapp 900 Kilometer lange Autofahrt vom Big Bend Nationalpark bis zu unserer heutigen Zwischenstation in Kingsville bei Corpus Christi unweit der texanischen Golfküste beim besten Willen nicht bezeichnen. Wenn man – so wie wir – vier Tage in der unvergleichlich schönen Big Bend Region verbracht hat, erscheinen in Reiseführern als „Sehenswürdigkeiten“ gepriesene Stationen wie der Lake Amistad in der Nähe der Kleinstadt Del Rio schon fast „armselig“. Zudem haben wir uns auf der Fahrt streckenweise recht einsam gefühlt. Auf den ersten knapp 200 Kilometern von Lajitas bis zur Ortschaft Marathon haben wir sage und schreibe nur drei Autos gezählt, die uns entgegen kamen.

Für Abwechslung sorgte lediglich ein erzwungener Stop bei einer Kontrollstation der US Border Patrol. Weil wir an diesem Samstagvormittag so ziemlich die einzigen „Kunden“ waren, nahm sich der streng blickende Officer viel Zeit für eine ausführliche Befragung nach Identität, Herkunft, Reisezielen und weiteren – aus unserer Sicht – unsinnigen persönlichen Details, mit denen man auch bei Einreisen in die USA stets konfrontiert wird. Da unsere Reiseroute wiederholt an der mexikanischen Grenze entlang führte, passierten wir zwei weitere Kontrollstationen der Grenzwächter und wurden ein weiteres Mal „interviewt“ – diesmal allerdings wesentlich kürzer und vor allem freundlicher. Mit diesen Stationen, die übrigens nicht direkt an den Grenzübergängen – sondern bis zu 50 Kilometern im Landesinneren von Texas liegen, versuchen die us-amerikanischen Behörden illegale Einwanderung und Schmuggel aus Mexiko einzudämmen. Zudem wird das Grenzgebiet durch zahlreiche Patroullienfahrzeuge überwacht, die man immer wieder auf Anhöhen, zumeist ein wenig versteckt, entdecken kann.

Ansonsten sahen wir an diesem „Transfertag“ eine andere Seite von Texas: Die wenigen – und zumeist winzigen – Ortschaften  im Südwesten wirken ärmlich und – zumindest bei der Durchfahrt – auch recht schmuddelig. Es gibt kein „Starbucks“, kein „Subways“ und nicht einmal eine „McDonald’s“-Filiale. Im Autoradio rauscht es nur, weil Radiostationen hier kaum Hörer hätten. Das Mobiltelefon ist über hunderte von Meilen nicht benutzbar und an mobiles Internet ist erst gar nicht zu denken. Kommentar von Horst: „Hier möchte ich nicht tot über’m Zaun hängen.“ Zumindest ging es bei der Autofahrt flott voran, weil in Texas die Geschwindigkeitsbegrenzungen für amerikanische Verhältnisse recht großzügig bemessen werden. Selbst auf kleinen Nebenstraßen sind zumeist 75 Meilen pro Stunde (120 KM pro Stunde) erlaubt. Auf den Highways sind fast durchgehend 80 Meilen pro Stunde zugelassen.

Auf unserer Fahrt nach South Padre Island im Süden der texanischen Golfküste sind wir Samstagabend in Kingsville angekommen, dort wo Texas wiederum ganz anders aussieht: Weites, grünes Land, saubere Kleinstädte mit ausladenden Shoppingpassagen und vielen Restaurants. Hier – so haben wir es unserem Reiseführer „Texas“ entnommen, geht’s den Menschen deswegen sehr gut, weil auf dem fruchtbaren Weideland mit großen Rinderherden auch noch reichlich Öl entdeckt wurde. Den Überfluss merkten wir dann auch beim Abendessen in einem BBQ-Restaurant: Horst bekam „die größte Beef Rib meines Lebens“ und musste schließlich aufgeben, nachdem er zwei Drittel der köstlichen Fleischmenge geschafft hatte.

P.S. Dieser Tagebucheintrag entstand übrigens auf der Toilette unseres Motelzimmers in Kingsville – dem einzigen „Ort“ von dem aus wir Verbindung zum angeblichen „Highspeed“-Internet haben....

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