2015 NYC+Alter Süden Reisetagebücher

High Line: Hier fährt kein Zug nach irgendwo

Reisetagebuch New York City + Alter Süden – Teil 2: Mit fleißigen Nagern, High Line Park und Roosevelt Island. In den Rocky Mountains haben wir vor drei Jahren vergeblich Ausschau nach Bären gehalten und in Texas ist uns vor Jahresfrist zum Glück keine Schlange über die Füße gekrochen. Dafür konnten wir am Samstagmorgen in der U-Bahn-Station am Herald Square mitten in Manhattan eine Ratte vom Bahnsteig aus beim Hausbau beobachten. Während wir auf unseren Zug in Richtung Downtown warteten, kroch das wenig scheue Tier immer wieder aus einem Loch zwischen den Gleisen hervor und transportierte in aller Ruhe Plastiktüten sowie anderen Unrat in ihr unterirdisches Eigenheim.

Das war ja fast schon Glück für uns. Schließlich gibt es in New York City längst nicht so viele Ratten, wie lange Zeit angenommen wurde. Nach einer im vergangenen November veröffentlichten Studie sollen sich lediglich rund zwei Millionen Nager in U-Bahn-Schächten, Kanalisationen, Hinterhöfen oder in Müllhaufen tummeln, die allnächtlich an den Straßenrändern in Manhattan aufgetürmt werden. Lange Zeit wurde behauptet, dass in New York ebenso viele Ratten leben wie Menschen – also etwa acht Millionen.

Möglicherweise gehören auch Eisenbahnschienen und Schwellen der ehemaligen High Line zu den Wohngebieten von Ratten oder anderen Nagern. Am Samstagvormittag hat sich allerdings keines dieser Tiere an die Oberfläche getraut. Grund dafür waren Tausende von Spaziergängern, die die knapp zweieinhalb Kilometer lange stillgelegte Bahntrasse zwischen der Gansevoort Street im so genannten Meetpacking District und der 34. Straße bevölkerten.

Die in etwa zehn Meter Höhe führende Trasse in Nähe des Hudson Rivers, auf der bis 1980 ausschließlich Güterzüge verkehrten, gehört inzwischen zu den populärsten Attraktionen in New York. Zwischen den Eisenbahnschienen und entlang des Spazierweges hat sich in den vergangenen Jahren die Natur schon ein kleines Stück von New York zurückerobert. Dafür wird an beiden Seiten des High Line Parks gebaut und betoniert, was das Zeug hält. Hier trifft Natur auf Zivilisation in geballter Form – nur Züge fahren auf der High Line schon lange nicht mehr.

Der – übrigens kostenlose – Spaziergang über den High Line Park war durchaus beeindruckend. Nur die Geräuschkulisse, verursacht auf den Großbaustellen am Rande des Weges und auch von den vielen Spaziergängern, hat uns etwas genervt. Also sind wir am Samstagnachmittag per U- und Seilbahn zu einem Ort aufgebrochen, der Ruhe vom hektischen Treiben im Big Apple gewährleistet und trotzdem atemberaubende Ausblicke auf die Skyline im Osten Manhattans mit dem UN-Hauptquartier ermöglicht. Gemeint ist Roosevelt Island. Die Insel ist von Manhattan aus mit der Seilbahn „The Tram“ (Station auf Höhe der 59th Street und 2nd Avenue) zu erreichen.

Nun ja – mit der schon nach gut zwei Tagen im unglaublich quirrligen New York so ersehnten Ruhe wurde es auch auf Roosevelt Island nicht wirklich etwas. Einserseits nutzten viel New Yorker – allerdings soweit erkennbar kaum Touristen – das schöne Wetter für einen Ausflug auf die Insel. Andererseits gab’s am Samstag ein Salsa-Festival mit einer bemerkenswerten kubanisch-stämmigen Band und ambitionierten New Yorkern, die sich bei rund 30 Grad im richtigen Hüftschwung übten.

Am Sonntag lassen wir uns nochmal ‚was vortanzen. Diesmal vom Ensemble des neuen Broadway Musicals „Something Rotten“. Mehr dazu gibt’s dann in der 3. Ausgabe unseres Tagebuchs.

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