2015 NYC+Alter Süden Reisetagebücher

Mit offenem Mund und Tränen in den Augen

Im 10. Teil unseres Reisetagebuchs bekommen wir den Mund nicht mehr zu – vor allem vor Begeisterung über New Orleans. Weil wir am Montagmorgen Abschied nehmen müssen, haben wir auch noch Tränen in den Augen. Oder lag’s doch etwa am typischen „Cajun Food“ am Sonntagabend?  Den Tagebucheintrag beginnen wir mit unserer Fahrt auf dem Ol‘ Man River:

Wer in New Orleans auf dem Mississippi schippern will, sollte dafür das Steamboat „Natchez“ wählen, auch wenn die zweistündige Tour 29,50 Dollar kostet und damit 7,50 Dollar teurer ist, als bei den Konkurrenten von der „Creole Queen“. Die Gründe für diesen Preisaufschlag sind nachvollziehbar: Die „Natchez“ ist größer, schöner und noch ein echter Raddampfer, während die Konkurrenz mit einem Dieselmotor im Hafen von New Orleans unterwegs ist.

Als wir am Samstag am Riverwalk an Bord der „Natchez“ gingen, hat Inge mal wieder ihr Organisationstalent unter Beweis gestellt. Unter den knapp 1.000 Passagieren ergatterte sie für uns drei Schattenplätze auf dem Oberdeck am Heck des Dampfers, was uns bei strahlendem Sonnenschein und Temparaturen von knapp 40 Grad schon fast als „lebenswichtig“ erschien.

Zudem hatten wir stets eine prima Aussicht, zum Beispiel auf die Skyline am Mississippi, die allerdings von dem architektonisch wenig geglückten Einkaufscenter „The Outlet Collection at Riverfront“ zum Teil verunstaltet wird. Für die dahinter parallel verlaufenden zwei Brücken am Hafen hat man irgendwie keinen markanten Namen gefunden, der sich ähnlich der „Brooklyn Bridge“ in das Gedächtnis von Touristen einprägen könnte. „Crescent City Connection“ kann man sich nun wirklich kaum merken.

Schräg gegenüber vom Anleger der „Natchez“ erhebt sich in einem Park inmitten des Vergnügungsviertes French Quarter die St. Louis Kathedrale. Das ursprünglich im Jahr 1794 fertiggestellte katholische Gotteshaus wurde im typisch architektonischen Stil der Südstaaten erbaut und ist einen Besuch allemal wert.

Während wir Mühe hatten, bei glühender Hitze von einer Sehenswürdigkeit zur anderen zu gelangen, bewunderten wir auf den Straßen und kleinen Plätzen im French Quarter Jazz Bands, die es für einen kleinen „Tip“ der Touristen so richtig krachen lassen. Nicht immer dringt aus den gewaltigen Instrumenten Jazz der besten Güte hervor. Für die fröhliche Atmosphäre im „Big Easy“, wie New Orleans wegen der vermeintlichen Leichtigkeit des Lebens hier auch genannt wird, leisten die Straßenmusikanten jedoch ganz bestimmt ihren Beitrag.

Apropos Fortbewegung in New Orleans: Es gibt Street Cars, also Straßenbahnen, mit günstigen Fahrpreisen – eine Tageskarte kostet nur drei Dollar. Allerdings muss man schon längere Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor jeweils die nächste Bahn angezuckelt kommt. Einen verbindlichen Fahrplan konnten wir weder vor Ort noch im Internet finden. Während unseres Besuchs war auch nur die Linie entlang der Waterfront in Betrieb. Für die anderen Strecken, die unter anderem zum Garden Destrict und zum City Park führen, wurde angeblich ein Busersatzverkehr eingerichet. Wir haben am Sonntag an einer Haltestelle – übrigens gemeinsam mit Einheimischen – mindestens eine halbe Stunde vergeblich auf den nächsten Bus gewartet. Während wir die Hamburger Hochbahn aus der Ferne kurz und nachhaltig lobten, machten wir uns dann wieder zu Fuß auf den Weg zu unserem nächsten Ziel.

Der täglich geöffnete French Market am Rande des French Quarters zählt ohne Zweifel zu den führenden Attraktionen in New Orleans. Der Bummel entlang von Ständen an denen von Souvenirs über Kleidung bis hin zu Lebensmitteln alles angeboten wird, was man auf dem Markt einer Touristenmetropole erwartet, wird durch die Überdachungen spürbar erleichtert. Wem’s trotzdem noch zu heiß wird, kann – wie wir – an einer der vielen improvisiert wirkenden Bars Pause machen und sich mit eiskalten Fruchtsäften auch von innen abkühlen.

Von den Fruchtsäften im French Market waren wir begeistert. Mit dem – vor allem in Reiseführern – so hochgelobten Cajun Food hatten wir dagegen so unsere Probleme: In einem „typischen“ Restaurant im French Quarter rührte Inge am Sonntagabend schier endlos in ihren Bohnen mit Reis herum. Julia saß eher lustlos vor einem Gemisch aus Nudeln, Shrimps und Würstchen, während Horst den Mund nicht mehr zu bekam, nachdem er seine Portion „Shrimp Creole“ tapfer aufgegessen hatte. Die Tränen in den Augen erklärte er mit seinem „Abschiedsschmerz von New Orleans“. Stimmt – wir waren sehr gern hier.

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