2015 NYC+Alter Süden Reisetagebücher

Elvis und die dicken Rippen

Wer Memphis besucht, kommt an Elvis, Graceland, Sun Studio und BBQ Ribs nicht vorbei. Uns ging’s da nicht anders, wie im 12. Tagebucheintrag über unsere Ferienreise durch die Metropolen des „Alten Südens“ der USA nachzulesen ist.

Als Elvis Presley am 16. August 1977 im Badezimmer seines Anwesens Graceland bei Memphis im US-Bundesstaat Tennessee tot aufgefunden wurde, bestritt Horst sein letztes Spiel in seiner nicht allzu steilen Karriere als Fußballtorwart. Inge bereitete sich damals nach dem Abitur an der Deutschen Schule in Madrid gerade auf ihre Rückkehr nach Deutschland vor und bis zu Julias Geburt sollten noch fast 21 Jahre ins Land ziehen. Jetzt – knapp 38 Jahre später – sind wir drei endlich Fans des King of Rock’n Roll geworden. Grund war unser Besuch der Elvis-Pilgerstätten am Dienstag in Memphis.

Dabei wird den Besuchern auf Graceland das Andenken an Elvis wirklich nicht leicht gemacht. Zuerst wird abkassiert – oder besser abgezockt: Parkplatz 10 Dollar, Eintritt zwischen 36 und 77 Dollar, je nachdem, ob man nur das Anwesen von Elvis oder zusätzlich den Fuhrpark oder gar sein Privatflugzeug besichtigen möchte. Statt persönlichen Führungen bekommen die Besucher Tablet-Computer um den Hals gehängt, denen die notwendigen Erklärungen in mehreren Sprachen (darunter auch in Deutsch) unterstützt durch Video-Animationen zu entnehmen sind. Das Personal war – zumindest bei unserem Besuch am Dienstag – durchgehend unfreundlich. Statt Hilfestellungen für die Gäste gab’s Anweisungen in militärischem Tonfall: „Audio- and Videorecordings are not allowed!“

So sehr sich die heutigen Graceland-Mitarbeiter auch um Unfreundlichkeit bemühten, wir ließen uns die Tour durch das – überraschend kleine – Wohnhaus und weitere Gebäude auf dem Anwesen nicht vermiesen. Dabei sahen wir unter anderem die vielen Goldenen und Platinen Schallplatten, allerlei Requisiten wie die berühmten weißen Bühnenkostüme von Elvis, Filmausschnitte – und zuletzt auch seine Grabstätte an der Stelle im Garten, wo der „King“ früher zu meditieren pflegte, wie uns das Tablet verriet.

Grabstätte von Elvis Presley in Graceland

Anschließend besichtigten wir noch den üppigen Fuhrpark von Elvis Presley in einer Halle außerhalb des eigentlichen Graceland-Geländes. Nach rund vier Stunden ging’s weiter zum Sun Studio, der nächsten Station auf unserer Tour „Down Memory Lane“ in Memphis.

In dem markant spitz zulaufenden Gebäude an der Union Avenue, ganz in der Nähe des eigentlichen Stadtzentrums von Memphis, waren wir nach den Erfahrungen in Graceland zunächst von der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter angenehm überrascht. Wegen des großen Andrangs wurde kurzerhand eine zusätzliche Tour organisiert. Damit verkürzte sich unsere Wartezeit von 40 auf nur zehn Minuten.

Dass die knapp eine Stunde lange Tour (für 12 Dollar pro Person) zu einem großartigen Erlebnis wurde, hatten wir nicht zuletzt Ellen zu verdanken. Die Mitarbeiterin des Sun Studios erwies sich als wahre Entertainerin, die uns Fakten und Legenden um den Produzenten Sam Philiips so anschaulich vermittelte, dass wir uns zeitweise in die 1950er Jahre zurückversetzt fühlten. Im Obergeschoss sahen wir zunächst allerei technische Aparaturen, Fotos und Dokumente aus der damaligen Zeit; dazu ein komplettes Radiostudio in dem Anfang der 1950er Jahre in Memphis die ersten Rock’n Roll Titel aufgelegt wurden.

Sam Philipps, Besitzer des Sun Studios und des kleinen Plattenlabels Sun Records, hatte neben Elvis Presley weitere Rock’n Roll und Country-Größen wie Jerry Lee Lewis, Carl Perkins, Roy Orbinson und Johnny Cash entdeckt und erste Schallplatten mit den damals noch unbekannten Sängern produziert. Das Mikrofon, mit dem im Jahr 1954 Elvis Presleys erster Hit „That’s All Right Mama“ aufgenommen wurde, steht den Besuchern heute noch für Schnappschüsse zur Verfügung. Inge griff am Ende der Führung sofort zu.

Wer soviel in den Ferien erlebt, braucht auch gute Verpflegung. Die gibt’s in Memphis reichlich in Form von unglaublich großen Steaks, Burger oder anderen Fleisch- und Fischgerichten. Eine Spezialität sind allerdings die Ribs, die sich wegen ihrer Größe im Gegensatz zu New York und anderen Metropolen der USA hier auch nicht „Baby Backs“ nennen (können). In einem der urigen Barbeque-Restaurants (kurz BBQ) – wir können Central BBQ und Blues City Cafe aus eigener Erfahrung empfehlen – sollte man sich nicht von Äußerlichkeiten wie bunt bemahlte Wände, einfachste Einrichtungen oder fehlende Tischdecken abschrecken lassen. Es schmeckt einfach unglaublich gut – und das war nach den ambivalenten Erfahrungen mit Cajun Food in New Orleans für uns das Wichtigste.

Damit wären wir am Ende unseres Tagebucheintrags auch wieder bei Elvis. Der liebte das üppige Essen der Südstaaten und soll bis zuletzt von den besten BBQ-Restaurants in Memphis mit Steaks, Burger und „dicken Rippen“ auf seinem Anwesen in Graceland beliefert worden sein.

Top