2015 NYC+Alter Süden Reisetagebücher

Wo der Tag zur Nacht wird

Nashville ist eine aufregende Stadt – auch tagsüber. Im 15. Tagebucheintrag berichten wir über die Clubszene in der Hauptstadt der Country Music, besuchen die Grand Ole Opry und machen einen überflüssigen Kniefall vor Jack White.

Als wir am Freitagmittag mit unserem Mietwagen den Broadway in Richtung Cumberland River hinunterfuhren ging’s kaum im Schritttempo voran. Die Bürgersteige waren überladen von Menschen und aus zahlreichen Clubs trat lautstarke Musik auf die belebte Straße. In Nashville wird nahezu täglich der Tag zur Nacht gemacht. Während Kneipen und Clubs schon vormittags öffnen, die Live Bands ab 10.00 oder 11.00 Uhr loslegen, ist meistens gegen Mitternacht schon Schluss.

Eigentlich hatten wir geglaubt, dass auch das aus der TV-Serie „Nashville“ bekannt gewordene Blue Bird Café Teil der Szene im Zentrum der Music City – am Broadway oder an der 2nd Avenue ist. Denkste. Wir mussten dichten Verkehr und sogar Staus in Kauf nehmen, um etwa sechs Kilometer außerhalb in einem Randbezirk auf die vermeintliche Kultstätte der Country Music inmitten einer Ladenzeile zu stoßen. Dafür konnten wir lediglich ein  paar Schnappschüsse vom Äußeren des schmucklosen Ladens machen, weil ein Schild am Eingang auf eine „Geschlossene Gesellschaft“ verwies, die von neugierigen Touristen ganz offensichtlich nicht gestört werden wollte.

Jede Menge Country Music bekamen wir dann noch einmal am frühen Abend in der Grand Ole Opry zu hören. Das Konzertgebäude mit einem Fassungsvermögen von 4.400 Zuschauern liegt 15 Kilometer außerhalb von Nashville im so genannten Opryland, zudem mit der Opry Mills ein riesiges Outlet- und Shoppingcenter sowie mit dem Gaylord Opryland Resort & Convention Center auch noch ein gigantischer Hotelkomplex gehören.

Den Konzertsaal, aus dem mehrfach in der Woche die Veranstaltungen im Radiosender WSM – The Legend – live übertragen werden, fanden wir schon imposant. Das Programm auf der Bühne eher weniger. Dort  agierten Künstler, die uns völlig unbekannt waren und die mit wenigen Ausnahmen das Rentenalter – zumindest nach deutschen Maßstäben – schon weit überschritten hatten. Dazu gab’s noch jede Menge amerikanischen Patriotismus in Form von ausschweifenden verbalen Ehrungen einhergehend mit „Standing Ovations“ für  26 anwesende Kriegsveteranen.

Dabei hatten wir zuvor bereits einen regelrechten „Kniefall“ gemacht. Auf dem Walk of Fame, direkt gegenüber der Country Music Hall of Fame, waren wir am Freitagnachmittag im wahrsten Sinne des Wortes über einen vermeintlich alten Bekannten „gestolpert“: Seit Juni dieses Jahres hat dort nämlich Jack White einen Ehrenstein (vergleichbar mit der Handhabung für Schauspieler in Hollywood).  Wir haben uns zwar zunächst  gewundert, warum der Komponist und Produzent von Gassenhauern wie „Schöne Maid“ ausgerechnet in Nashville geehrt wird. Dann knieten wir uns doch vor dem „Gedenkstein“ ehrfurchtsvoll nieder – zumindest für einen Schnappschuss. Schließlich war ausgerechnet Jack White jeweils der erste Prominente, den wir beide zu Beginn unserer Radiokarrieren in den 1980er Jahren interviewt hatten. Der „Kniefall“ erwies sich abends nach der Recherche für dieses Tagebuch jedoch als Irrtum: Der Stein wurde zu Ehren des amerikanischen Songwriters und Produzenten mit demselben Namen ausgelegt – und nicht etwa für „unseren“ Jack White.

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