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Dagmar Reim war nicht „Everybody’s Darling“

6. Juli 2016 | Sie war die erste Chefin einer ARD-Anstalt. Ende Juni ist Dagmar Reim nach 13 Jahren als Intendantin des Rundfunks Berlin Brandenburg (RBB) aus persönlichen Gründen zurückgetreten. Kurz vor ihrem letzten Arbeitstag habe ich sie in Berlin besucht. Aus unserem anregenden Gespräch ist ein Hintergrundbeitrag entstanden, der in der Juli-Ausgabe des Medium Magazins nachzulesen ist.

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Dagmar Reim beim Empfang zu ihrem Abschied als Intendantin | Bild: RBB

Es gibt bei weitem unangenehmere Aufgaben für Journalisten. Innerhalb von drei Tagen hatte mir die Pressestelle des RBB Ende Juni einen Termin bei der scheidenden Chefin besorgt. Dagmar Reim nahm sich reichlich Zeit für unser Gespräch, war persönlich ausgesprochen freundlich und wirkte bei Sachfragen sehr souverän, auch wenn es um heikle Themen ging. So blickt sie mit der zeitlichen Distanz von nunmehr acht Jahren auf offene Anfeindungen zurück, die ihr entgegenschlugen als im Jahr 2008 das TV-Magazin „Polylux“ und das Hörfunkprogramm „Radio Multikulti“ wegen knapper Kassen eingestellt werden mussten. Ein regelrechter Proteststurm folgte, die Intendantin persönlich musste viel einstecken. Sie habe in Abgründe von Heuchelei geblickt, lässt sich Reim in der Berliner „taz“ zitieren. Heute sagt Dagmar Reim: „Ich kann nicht sagen, dass mich das nicht interessiert. Aber in einem Job wie diesem, kann es nicht gelingen, ‚Everybody’s Darling’ zu sein.“ Das habe sie auch nie versucht. Sie müsse allerdings schwierige Entscheidungen treffen und „Radio Multikulti“ sei eine besonders schwierige gewesen. Auch heute – trotz Flüchtlingswelle – steht sie zu ihrem damaligen Entschluss. So wie es Ende 2008 richtig gewesen sei, den Sender zu schließen, so falsch wäre es, ihn wieder beleben zu wollen: „Multikulti basierte auf einer Fiktion – mit besten Absichten, aber ohne Hörer. Es war ein gut gemeintes Programm für Migrantinnen und Migranten. Letztere haben sich aber dafür nicht interessiert.“ 

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Die neue RBB-Intendantin Patricia Schlesinger | Bild: RBB

Trotz solcher Schwierigkeiten kann sich die Bilanz von Dagmar Reim nach 13 Jahren als Intendantin des RBB durchaus sehen lassen: Ihr gelang die Fusion zweier Anstalten, die Stabilisierung der Finanzen und die Frauenförderung in Führungspositionen. Allerdings steckt das RBB-Fernsehen im Quotentief. Darum muss sich nun die neue Intendantin Patricia Schlesinger vordringlich kümmern.

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