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Schattenspringen in Baltimore

13. August 2016 | Teil 2 unseres Reisetagebuchs 2016: In Baltimore war am Samstag die feuchte Hitze nahezu unerträglich. Trotzdem hatten wir einen erlebnisreichen Tag in der Metropole des Bundesstaates Maryland. Wo einst US-Geschichte geschrieben wurde, sorgt heute die hohe Kriminalitätsrate für das unverdient schlechte Image der wirklich sehenswerten Stadt.

Die Skyline am Inner Harbor ist die vermeintliche "Schokoladenseite" von Baltimore
Die Skyline am Inner Harbor mit dem World Trade Center in der Bildmitte.

Zugegeben, wir haben bei unserem Besuch am Samstag (fast) nur die so genannten „Schokoladenseiten“ von Baltimore angesehen. Die gibt’s am Hafen – konkret am Inner Harbor, wo sich unter anderem das – von uns nicht besuchte – Aquarium und die Aussichtsplattform Top of the World in der 27. Etage des World Trade Centers befinden. Die sechs Dollar Eintritt pro Person haben sich gleich mehrfach bezahlt gemacht: Durch die großen – und gut geputzten – Panoramafenster hatten wir herrliche Aussichten über den gesamten Hafen und rückwärts über das weitläufige Stadtgebiet. Zudem war die Aussichtsetage angenehm klimatisiert, so dass wir uns von der feuchten Hitze im Freien erholen konnten.

Herrliche Aussichten von der 27. Etage des World Trade Centers in Baltimore
Herrliche Aussichten von der 27. Etage des World Trade Centers in Baltimore

Die gefühlte Temperatur lag in Baltimore am Samstag erneut bei über 40 Grad. Wenn wir uns schon im Freien aufhalten mussten, versuchten wir von Schatten zu Schatten zu springen, um den glühenden Sonnenstrahlen zu entkommen. Selbst die insgesamt rund eine halbe Stunde dauernde Fahrt mit dem Wassertaxi zum Fort McHenry auf der anderen Seite der Hafenbucht brachte kaum Abkühlung. Zumindest war die wichtigste Touristenattraktion von Baltimore nicht überlaufen. Auf dem Boot, das mehr ein Pendant zu einem Linienbus als zu einem Taxi ist, verloren sich neben dem Bootsführer nur wenige schwitzende Fahrgäste.

So genannte Wassertaxis übernehmen den Linienverkehr im Hafen von Baltimore. Ein Tagesticket kostet 14 US-Dollar.
So genannte Wassertaxis übernehmen den Linienverkehr im Hafen von Baltimore. Ein Tagesticket kostet 14 US-Dollar.

McHenry ist ein ehemaliges Militär-Fort, dessen historische Bedeutung im Jahr 1814 begründet wurde, als wackere Amerikaner den Angriff britischer Truppen erfolgreich abwehrten. Die Schlacht von Baltimore zählt zu den wichtigsten Schlachten im Krieg zwischen dem damals gerade mal 28 Jahre lang unabhängigen Amerika und der ehemaligen Besatzungsmacht  Großbritannien. Bei unserem Besuch sahen wir das noch weitgehend erhaltene Fort mit Unterkünften, Versorgungsräumen und den gewaltigen Kanonen, die vor allem auf die Meerseite ausgerichtet sind – eben dort, wo die britische Kriegsmarine seinerzeit angriff.

Historische Kanonen am Fort McHenry am Rande des Hafens von Baltimore
Historische Kanonen am Fort McHenry am Rande des Hafens von Baltimore

Der Sieg der Amerikaner über die Briten im Jahr 1814 begeisterte den Rechtsanwalt und Hobby-Dichter Francis Scott Key so sehr, dass er im selben Jahr den Text „The Star-Spangled Banner“ verfasste. Zusammen mit der Melodie eines ursprünglich britischen Trinkliedes ist der „Sternen besetzte Banner“ seit 1931 offizielle Nationalhymne der Vereinigten Staaten.

Erzählungen rund um den Star-Spangled Banner gehören zum Besuchsprogramm von Fort McHenry
Erzählungen rund um den Star-Spangled Banner gehören zum Besuchsprogramm von Fort McHenry

Wir haben heute aber auch noch wahre Helden der Gegenwart entdeckt. In glühender Nachmittagssonne setzten Bauarbeiter mit Presslufthammer und anderen Gerätschaften den Anleger des Wassertaxis am Fells Point instand. Einer der vermutlich aus Lateinamerika stammenden Arbeiter erwiderte unsere entsetzten Blicke mit einem kurzen Lächeln. Dann bückte er sich und schuftete weiter.

Bauarbeiter schuften bei glühender Sonne im Hafen von Baltimore
Bauarbeiter schuften bei glühender Sonne im Hafen von Baltimore

Am Sonntag geht’s weiter in den Bundesstaat Pennsylvania. Im Lancaster County werden wir auf die aus Deutschland eingewanderten Amischen treffen, die so leben, als wäre die Zeit vor etwa  150 Jahren stehen geblieben. Mehr dazu gibt’s in unserem nächsten Tagebucheintrag. 

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