28. August 2016 | Am Sonntag besuchten wir die älteste Plantage Virginias, das vielleicht schönste Capitol der Vereinigten Staaten und dinierten in einer ehemaligen Tabakfabrik. Im 17. Reisetagebucheintrag verraten wir euch außerdem, dass wir am Montag (mal wieder) auf „Bärenjagd“ gehen wollen.    

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Der James River auf der Höhe von Jamestown

Vom James River hatten wir noch nie zuvor gehört. Heute begleitete uns der insgesamt 660 Kilometer lange Fluss, der aus den Bergen der Appalachen kommt und in die Chesapeake Bay mündet, auf unserem Weg von Williamsburg nach Richmond. Kurz nach unserem Start stießen wir in der Nähe von Jamestown erstmals auf den James River, der hier – etwa 100 Kilometer vor der Mündung – ein breiter stolzer Strom geworden ist, auf dem am Wochenende reichlich Wassersport in allen Facetten betrieben wird.

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Auf der Shirley Ranch in der Nähe von Richmond, der Hauptstadt von Virginia

Kurz vor Richmond fuhren wir von der parallel zum James River verlaufenden Scenic Route 5 ab, um die Shirley Plantation zu besichtigen. Das ist nicht irgendeine Plantage, sondern die älteste in Virginia, die bereits seit dem Jahr 1614 von der selben Familie – inzwischen in der 11. Generation – bewirtschaftet wird. Das heutige Anwesen mit dem eher bescheiden wirkenden Haupthaus wurde im Jahr 1738 fertiggestellt. Wir haben allerdings auf eine Besichtigung des historischen Gebäudes verzichtet, weil uns nicht nur die elf Dollar Eintritt pro Person davon abhielten, sondern insbesondere das vollständige Fotografier- und Filmverbot.

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Die Skyline von Richmond mit dem James River im Vordergrund

Nach wenigen weiteren Meilen auf der Scenic Route 5 sahen wir bereits die – zugegeben etwas bescheidene – Skyline von Richmond, das im Jahr 1788 Williamsburg als Hauptstadt von Virginia ablöste. Während des amerikanischen Bürgerkriegs von 1861 bis 1865 war Richmond auch Hauptstadt der Südstaaten-Konföderation. Das alles und viel mehr erfuhren wir von Mrs. Sringl, die uns durch das Virginia State Capitol führte.

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Das Capitol von Virginia in der Hauptstadt Richmond

Das schneeweiße Parlamentsgebäude liegt malerisch auf einem Hügel oberhalb des James Rivers. Uns fiel gleich auf, dass das Capitol von Virginia keine sonst übliche runde Kuppel hat – zumindest außen nicht. Innen wurde die Kuppel im Stile anderer Parlamentsgebäude nachgebildet. In den großzügig ausgelegten prachtvollen Innenräumen des Parlamentsgebäudes beeindruckten uns eine Reihe von Gemälden, Plastiken und Statuen. Das wertvollste Kunstwerk ist eine George Washington-Statue des französischen Bildhauers Jean-Antoine Houdon aus dem späten 18. Jahrhundert.

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Die George Washington-Statue ist das wichtigste Kunstwerk im Virginia State Capitol

Eigentlich wollten wir uns in Richmond auch das Edgar Allan Poe-Museum ansehen. Verschiedene negative Kritiken in Reiseportalen und die Aussicht auf einen schönen Spaziergang am „Canal“, der teilweise parallel zum James River durch Richmond verläuft, haben uns schließlich vom Museumsbesuch abgehalten. Über den Canal Walk erreichten wir schließlich das Tobacco Company Restaurant. Die Speisen – Lachs auf Maisgemüse (Inge) bzw. Seafood Linguine (Horst) – waren gut, die Räumlichkeit umwerfend. Angelehnt an ein Tabaklager sind auf drei Stockwerken Balkone, geschmackvolle Tischkombinationen sowie eine riesige Spiegelbar zu bestaunen. Obwohl das ganze Ambiente an Tabak erinnerte, war auch hier das Rauchen streng verboten.

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Die Lobby im Tobacco Company Restaurant in Richmond

Virginia ist als Reiseland unglaublich vielfältig: Nach lebhaften Atlantikstränden, romantischen Fischerorten, gespenstischen Zypressensümpfen und lebendiger Historie wollen wir am Montag auch noch auf „Bärenjagd“ gehen – mit der Kamera versteht sich. Unser nächstes Ziel ist der Shenandoah Nationalpark, wo es angeblich über 500 Schwarzbären geben soll. Etwaig aufkommende Befürchtungen haben wir schnell wieder beiseite geschobenen, weil wir (erstens) bei unseren „Bärenjagden“ bislang nicht sonderlich erfolgreich waren – zum Beispiel in den Rocky Mountains vor vier Jahren – und (zweitens) die Autoren des Reiseführers Ostküste USA uns wie folgt beruhigten:

„Das National Center for Health Statistics listet in seinen neuen Untersuchungen auf, dass für jede Person, die in Nordamerika von einem Bären getötet wird (dabei sind die Grizzlybären und die Polarbären eingeschlossen), 60 Menschen durch Haushunde sterben, 24 gehen an Schlangenbissen zugrunde, 180 lassen durch Wespen ihr Leben und 350 werden vom Blitz erschlagen.“ Na, also.

 

 

 

 

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