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Spannende Journalistentagungen in München und Tutzing

17. Dezember 2009. Was für eine interessante Woche! Ich war bei zwei Veranstaltungen zum Thema Qualität und Zukunft im Journalismus, die unterschiedlicher nicht hätten sein können. Los ging’s am Montag Vormittag zunächst mal in München, im technisch modern und funktional ausgestatteten Großen Sitzungssaal der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Gastgeber der Konferenz „Klassische und Neue Medien“ waren die BLM,  der Bayerische Journalistenverband (BJV) und das US-Generalkonsulat in München. Eine Kooperation in dieser Konstellation sei ein Novum, freute sich BLM-Präsident Wolf-Dieter Ring in seiner Begrüßung. Ein Novum und vor allem ein Glückstreffer war vermutlich aber auch die Zusammensetzung des Auftaktpodiums, die erfrischender und zukunftsweisender kaum hätte sein können.

Christian Jakubetz moderierte die BLM-Veranstaltung zu den Chancen crossmedialer Medienangebote.
Christian Jakubetz moderierte die BLM-Veranstaltung.

Christian Jakubetz, freier Journalist, Dozent der DJS München, Blogger und Autor des Fachbuches „Crossmedia“ hielt das Eingangsstatement zum Thema „Chancen und Grenzen crossmedialer Medienangebote“ und moderierte auch die Diskussionsrunde. Das gelang ihm locker, souverän und mit sichtlichem Vergnügen, denn um Jakubetz versammelt war ein Netzwerk gleichgesinnter Kollegen, die er auch zum freien Gedankenaustausch in sein Wohnzimmer hätte einladen können:

Ulrike Langer, freie Journalistin und Bloggerin (medialdigital.de),
Michael Praetorius, Leiter Online bei Antenne Bayern, Blogger und Moderator der Isarrunde,
Richard Gutjahr, Journalist, Reporter und TV-Moderator beim BR. Bloggt unter gutjahr.biz/blog,
Markus Jox, Redakteur der Münchener Abendzeitung und
Claus Lochbihler, Kulturjournalist und Seminarleiter an der Akademie der Bayerischen Presse.

Einige Kernaussagen aus Christian Jakubetz‘ Referat

  • Medienhäuser haben eine Zukunftschance, wenn sie sich konsequent als multimediale Marken aufstellen
  • Der Inhalt entscheidet – nicht die Plattform
  • Medien werden zunehmend mobil
  • Medienkompetenz gewinnt an Bedeutung
  • Graswurzel-Aktivitäten konkurrieren ernsthaft mit  etablierten Medien
  • Die nächste Generation ist „always-on“, daher müssen auch Redaktionen diesem Beispiel folgen (Bsp.: Aktualisierungen und Kommentarmöglichkeiten rund um die Uhr)
  • Wir brauchen keinen neuen Journalismus – aber erneuerte Journalisten.

Statements der Diskussionsteilnehmer im O-Ton

  • Richard Gutjahr hält Bloggen für wichtig, weil Journalismus auch Kommunikation bedeute. (31 Sekunden) 
  • Auch Ulrike Langer versteht sich ausdrücklich als Journalistin und Bloggerin. Am Bloggen schätzt sie die Möglichkeit, journalistisch – ohne redigierenden Redakteur im Hinterkopf – experimentieren zu können. (87 Sekunden)  
  • Markus Jox beschreibt den real existierenden Leistungs-Druck in den Redaktionen der Printmedien: immer weniger Redakteure haben immer mehr zu tun – simultan für Print, Internet und Social Media. Qualitätsverlust = vorprogrammiert. (79 Sekunden)

    Podium v.l.n.r: Richard Gutjahr, Markus Jox, Clus Lochbihler, Christian Jakubetz
    v.l.: Richard Gutjahr, Markus Jox, Claus Lochbihler, Christian Jakubetz
  • Gleichzeitig wünscht sich Claus Lochbihler, dass Lokalzeitungen lokaler werden und Online nicht aus der Druckzeitung von gestern generiert wird. (81 Sekunden)
  • Michael Praetorius erzählt amüsant über Trial-and-Error-Erfahrungen der Antenne Bayern mit dem Twitterkanal @Verkehrszentrum, der von Twitter mittlerweile als Spam eingestuft wird. (46 Sekunden)

Und die Zukunftsaussichten?

  • Richard Gutjahr sieht Journalisten und die Medien in einem Transformationsprozess, „den wir alle unterschätzt haben“. Und gerade deshalb sei jetzt die beste Zeit, in den Journalismus einzusteigen. (98 Sekunden)

    Ulrike Langer und Michael Praetorius.
    Ulrike Langer und Michael Praetorius.
  • Ulrike Langer wünscht sich mehr Gründergeist für die nahe journalistische Zukunft. Die Medienjournalistin hält nichts von staatlichen Hilfsmaßnahmen, weil das alte Strukturen zementiere. Für Schmunzler am Rande sorgte auch die Einschätzung ihrer siebenjährigen Tochter. Vom Lehrer nach dem Beruf der Mama befragt, kam die Antwort: „Meine Mutter twittert.“ (57 Sekunden)
  • Michael Praetorius ist gespannt auf die Zukunft und das Echtzeitweb: Jeden Tag eine Überraschung. (46 Sekunden)

Ortswechsel: Im nächsten Blogeintrag geht es nach Tutzing am Starnberger See und zur zweiten spannenden Veranstaltung für Journalisten.

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