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Ein klares „Jein“ zum Digitalradio

17. Juli 2009. Während sich in Deutschland die Zahl der Internetradios in den letzten drei Jahren verfünffacht hat, bleibt die Zukunft des terrestrisch verbreiteten Digitalradios weiter ungewiss. „DAB liegt auf der Intensivstation“, sagen Digitalradio - schon jetzt ein Auslaufmodell?Experten. Insgesamt werden bereits rund 1.900 Hörfunkprogramme in Deutschland regelmäßig über das Internet verbreitet. Etablierte öffentlich-rechtliche Programme und Privatsender erhalten im World Wide Web jedoch immer mehr Konkurrenz von so genannten „Online-Only-Sendern“ ehemaliger Radiomacher und Quereinsteiger. Bei „Polystar“, dem führenden Webbrowser für Internetstreams, wird „Technobase“ aus dem niederrheinischen Moers als meistgehörter Kanal geführt. Erst danach folgen angestammte Hörfunkprogramme wie „SWR 3“, „Einslive“ und „Antenne Bayern“.

Dennoch favorisieren VPRT-Vizepräsident Hans-Dieter Hillmoth und seine Kollegen im größten privaten Rundfunkverband das Internet als künftigen Verbreitungsweg für deutsche Radioprogramme. Nach dem von Hillmoth schon im Frühjahr vorgegebenen Motto „Die Radio-Musik spielt längst im Internet“, erteilten sie Ende Juni DAB plus als gemeinsame technische Plattform eine klare Absage und gaben vor allem wirtschaftliche Gründe für ihren vorläufigen Rückzug aus dem terrestrischen Digitalradio an: „Für die nächsten fünf bis zehn Jahre bestehen nur geringe Chancen auf eine Refinanzierung aus dem Markt“, hieß es in einer Pressemitteilung im Anschluss an eine außerordentliche Fachbereichsversammlung des VPRT in Berlin.

Mittlerweile braut sich neues Ungemach am DAB-Himmel zusammen. Die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) hat in ihrer Sitzung am 15. Juli eine Fortführung der Finanzierung des Entwicklungsprojekts DAB wegen Erfolglosigkeit abgelehnt. Eine fast schon sibyllinische Entscheidung, liest man die Pressemitteilung über das vorläufige Aus der DAB-Mittel: „Die vorgesehenen Projektmittel für die digitale Zukunft des Hörfunks sind nicht gestrichen worden, sondern stehen für neue Initiativen weiter zur Verfügung.“ Welche Initiativen das sein könnten, lässt die KEF offen. Es bleibt vorerst also weiter beim klaren „Jein“ zum Digitalradio in Deutschland. Ausführlicher Artikel bei Hoerfunker.de