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Ein Zustand vollständiger Unordnung

Teil 6 unseres Umzugstagebuchs: Erster Blick in unsere neue Wohnung. Außerdem: Julia nimmt Abschied von ihren Freunden und Horst von „seinen“ Playmates.

Eine leere Wohnung, dazu noch in einem Altbau im Hamburger Stadtteil Harvestehude, ist einfach ein wundervoller Anblick. Allein der lange Flur von dem die sechs Zimmer, Küche, Bad, Gäste-WC, Vorratskammer und Garderobe abgehen, ist schon imponierend. Ab 31. Juli werden wir hier wohnen. Sogar unser Namensschild prangt schon an der Haustür. Am Mittwoch war ich zur Wohnungsübergabe in der Hansestadt. Bei der Gelegenheit habe ich mit Unterstützung unserer Freundin Gisela das „Fine tuning“ für die Einrichtung unseres 163 Quadratmeter großen neuen Zuhauses gemacht – und dabei so ziemlich alles umgeschmissen, was wir bisher geplant hatten. Jetzt wird’s sogar noch schöner. Mehr dazu gibt’s in einem späteren Tagebucheintrag.

Anders das Bild in Stephanskirchen: Langsam sieht unser Haus aus wie ein Schlachtfeld. Ein wenig dazu beigetragen hat auch Julias Abschiedsfest. Am Samstagabend hatte sie’s mitten in unserem Umzugs-Chaos mit 14 Freundinnen und Freunden noch einmal so richtig „krachen“ lassen. Während unsere Tochter mit ihren Gästen bis in die – gar nicht mehr so – frühen Morgenstunden kräftig feierte, habe ich im Keller Kisten durchwühlt, die ich teilweise seit unserem Einzug vor vierzehneinhalb Jahren hier in Stephanskirchen nicht einmal geöffnet habe. Trotzdem – ich kann mich einfach nicht von Dingen trennen, die früher einmal Mittelpunkt meines Lebens waren. Dazu gehören zum Beispiel auch Mitschnitte von meinen Sendungen, die ich vor rund 20 Jahren bei Radio Charivari München moderiert habe.

Wenn es nach Horst ginge, würden wir gleich ganze Teile unseres Hauses an einen Entrümpler übergeben. Am Samstagnachmittag hat er sogar spontan entschieden, dass er sich von „seinen“ unzähligen „Playmates“ trennt. In einem unserer Kellerräume, den wir deswegen „Playboy-Zimmer“ nennen, lagern Hunderte deutscher und amerikanischer Ausgaben des Männermagazins. Zum Glück müssen wir die zentnerschwere Heftsammlung nicht auf dem „Wertstoffhof mit Grüngutsammelstelle der Gemeinde Stephanskirchen“ entsorgen. Die „Playboys“ übernehmen Freunde von uns, die ein Antiquariat betreiben und uns auch schon viele, viele Bücher abgenommen haben.

Neun Tage bevor die Möbelpacker aus Hamburg hier anrücken, herrscht in unserem Haus „ein Zustand vollständiger Unordnung“ – oder einfach ausgedrückt, ein ziemliches Chaos. Und das, obwohl wir in den vergangenen Wochen schon Tausende Schallplatten, CDs und Bücher abgegeben – und mindestens 50 Kisten mit Altpapier entsorgt haben. Altpapier? Dazu gehören zum Beispiel die Steuererklärung von Horst aus dem Jahr 1974, Moderationstexte von mir aus dem Jahr 1988 oder Julias Rechenheft aus der zweiten Klasse. Völlig naiv hatten wir zeitweise tatsächlich geglaubt, dass wir auf einen professionellen Entrümpler ganz verzichten könnten. Von wegen – was wir in den Ecken des Dachgeschosses, im Keller oder in der Garage so alles angehäuft haben, bedarf einer fachgerechten Entsorgung. Als erste „Amtshandlung“ werde ich mich deswegen am Montag auf die Suche nach einem – möglichst preiswerten – Entrümpler begeben.

2 Kommentare zu “Ein Zustand vollständiger Unordnung

  1. Playboy-Hefte zur Grüngutsammelstelle. Das hätte mir gefallen 🙂

    Beim letzten Umzug habe ich mich von Studienunterlagen getrennt, die ich seit 1981 nicht mehr angefasst habe. Sollte ich noch einmal berühmt werden, fehlt das halt im Museum. Grins.

    Einen guten Umzug vom Lederhosenland in die große Fischbratbude wünscht

    Thomas

  2. Ich bin sehr beruhigt, dass auch andere Menschen Probleme haben, sich von Erinnerungen zu trennen. So ein Umzug ist da manchmal ganz heilsam… Euch toi, toi, toi, dass Ihr bald das Licht am anderen Ende des Chaos-Tunnels seht!

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