2010 USA-Westküste Reisetagebücher

Kaum Fahrgäste für Tijuana Taxis

Tagebuch US-Westen, Teil 4: Ausflug nach Mexiko


20. August 2010. Als wir das letzte Mal Tijuana von San Diego aus besucht haben, war die mexikanische Grenzstadt noch ein quirliger Marktplatz, vor allem für us-amerikanische Touristen. Jetzt, 14 Jahre später, scheint die Avenida Revolucion, wo früher die Händler ihre Waren bis auf die Mitte der breiten Gehsteige ausbreiteten, streckenweise wie verlassen. Wir haben fast den Eindruck,  dass wir die einzigen Touristen an diesem Tag in Tijuana sind.

So auch in dem einfachen Straßenrestaurant, wo wir zum Mittag zu dritt eine Fajita-Platte bestellen und  dafür eine herrliche Auswahl an verschiedenen Fleischsorten, Scampis und geschmortem Gemüse für mindestens sechs Personen erhalten. Als wir am Ende schließlich 35 Dollar einschließlich großzügig bemessenem  Trinkgeld bezahlen, verteilt der Wirt seine Einnahme in benachbarten Lokalen und Geschäften. Möglicherweise hat er damit Schulden beglichen.

Wir wollten in Tijuana unter anderem einen neuen Koffer für möglichst wenig Geld kaufen. Einen Koffer haben wir in dem eher sperrlichen Warenangebot überhaupt nicht gefunden. Schließlich erstanden wir zwei Lederrucksäcke für jeweils 15 Dollar. Auf das früher obligatorische Feilschen um einen noch günstigeren Preis haben wir trotz Inges guter Spanischkenntnisse angesichts der traurig dreinblickenden Verkäufer besser verzichtet. Überhaupt sahen wir während unseres halbtägigen Aufenthalts nur wenige lächelnde Gesichter. Ein kleines Mädchen, dem Julia ein buntes Armband für einen Dollar abkaufte, strahlte zumindest für einen Moment.

Gleich nebenan, wo die etwa Fünfjährige, beobachtet von ihrer Mutter im Hintergrund, auf dem Gehsteig die bunten Ketten und Armbänder anbietet, wird in einer Pharmacia Viagra zum offensichtlichen Schnäppchenpreis verkauft. Apotheken, die für Potenzmittel werben, Zahnärzte und Optiker sind überall in der Haupteinkaufsstraße sowie in den Nebenstraßen zu finden. Er habe für seine Brille nur 60 Dollar bezahlt, erzählt uns später ein Holländer mit Wohnsitz in San Diego auf der Rückfahrt im Transferbus zum Parkplatz auf der us-amerikanischen Seite der Grenze. In Kalifornien wären dafür mindestens 400 Dollar fällig gewesen.

Trotzdem warten Tijuana Taxis an der Grenze häufig vergeblich auf Fahrgäste. Der wichtigste Grund ist wohl, dass Tijuana inzwischen als kriminelle Hochburg Mexikos gilt. In den vergangenen Jahren haben vor allem US-Medien regelmäßig über Bandenkämpfe im Drogenmilieu und von Überfällen, auch auf Touristen berichtet. Hinzu kommt, dass in den riesigen Factory Outlets im Süden Kaliforniens viele Dinge, für die früher auch Ortsansässige in Mexiko einkauften, unglaublich preiswert zu haben sind. Auch wir haben unseren Koffer schließlich auf der Rückfahrt im Outlet Center „Las Americas“ nur 500 Meter hinter der Grenze auf der kalifornischen Seite gekauft. Der Preis war von 350 auf 102 Dollar heruntergesetzt. (Horst)