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Lieber BR, darf man heute noch so arbeiten?

9. Februar 2015 | Warum hat das Bayerische Fernsehen am Morgen des schweren Zugunglücks im oberbayerischen Bad Aibling seine Zuschauer nur so lange alleine gelassen?

„Was für ein schlimmer Tag“, war das erste, was mir gleich nach dem Aufwachen heute Morgen durch den Kopf ging, als ich meine Twitter-Timeline auf neue Meldungen durchforstete. In meiner alten Heimat Oberbayern hat sich eines der schlimmsten Zugunglücke der letzten Jahre ereignet. Mein nächster Reflex: Das TV Programm des Bayerischen Fernsehens einschalten.

Ehrlich gesagt, ich bin jetzt noch entsetzt, wie unprofessionell meines Erachtens das Bayerische Fernsehen das Zugunglück bei Bad Aibling in den Stunden des Vormittags gehandhabt hat. Ab 09.15 Uhr lief bis 10.36 Uhr das Faschingsprogramm „Die Närrische Weinprobe“ aus Franken. Ab und zu kündigte ein Text-Laufband an, um 10.38 Uhr gebe es eine Sondersendung der Rundschau. Die kam allerdings zwei Minuten früher als angekündigt und nicht etwa als Extra-Ausgabe der regionalen Rundschau. Um 10.36 Uhr blendete der BR ohne weitere Hinweise das närrische Treiben aus und übernahm die Tagesschau vom „Ersten“. Die berichtete gefühlt mindestens genauso lang über den havarierten Tanker im Hamburger Hafen wie über das tragische Zugunglück in Oberbayern. Dann Ende der Tagesschau. Kein Moderator im BR. Stattdessen kündigt ein Laufband an, man sende aus gegebenem Anlass nun eine Dokumentation über Würzburg.

Seit dem Unglück sind zu diesem Zeitpunkt vier Stunden vergangen. Über die Sozialen Netzwerke und Echtzeitmedien wie Periscope sehe ich, dass die Meldung bereits Menschen in der ganzen Welt beschäftigt. Da ploppen Beileidsbekundungen aus England, Italien, USA, ja sogar aus China auf.

Lieber BR, darf man heute noch so arbeiten, als schrieben wir das Jahr 1970? Läuft bei Euch morgens eine Senderautomation, die keiner stoppen konnte? So wird das nichts mit der Zukunft. Denkt bitte einmal darüber nach. Was auch immer bis dahin auf der App BR24 gelaufen sein mag: Entscheidend ist für einen großen Teil der Bevölkerung noch immer das TV-Programm. Aber das wird sich vermutlich bald ändern und Ihr tragt scheinbar (un)fleißig dazu bei. So schade.

Allen Angehörigen der tödlich Verunglückten und den Schwerverletzten gilt hier mein tiefstes Mitgefühl.

2 Kommentare zu “Lieber BR, darf man heute noch so arbeiten?

  1. Man kann natürlich am Verhalten des BR rumnörgeln.
    Man kann auf die völlig überbewerteten – weil völlig objektivitätsbefreit – „social media“ verweisen.
    Man könnte auch mal nach den Gründen recherchieren, anstatt nur Vorwürfe zu ventilieren. Die einzig wirklich wichtige Frage ist doch, warum der BR so und nicht anders reagiert hat? Und wenn man dann noch konstruktive Kritik üben will, kann man sich Gedanken über mögliche sinnvolle Lösungen machen.
    Was ist aber in den „sozialen Medien“, wie zum Beispiel diesem Blog, zu finden? Vorwürfe, vielleicht auch etwas Hass, völliges Desinteresse an wirklichen Gründen und Selbstbeweihräucherung, da man selber natürlich alles besser weiß und besser machen würde, wenn man einen nur ließe. Aber da denke ich vermutlich wieder zu positiv. Wer will schon was besser machen? Dann bliebe ja nix mehr zum nörgeln.

  2. Oh nein, @DirkNB, da ist bestimmt kein Hass gegenüber dem BR – im Gegenteil, ich liebe meinen Heimatsender und schätze viele der Kollegen dort 🙂

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