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Social Media: Power to the People

Radio, Fernsehen, Zeitungen: „Wer im Zeitalter des Internets überleben will, muss auf allen Plattformen unterwegs sein“, rät Alec Ross, Hillary Clintons Chefstratege für neue Technologien, den Medien.  

(Der Artikel wurde zuerst veröffentlicht im Februar 2012 auf hoerfunker.de)

Alec Ross ist ein ungewöhnlicher junger Mann. 2000 war er Mitbegründer der Non-Profit-Organisation „One Economy“, ein Unternehmen, das weniger Privilegierte weltweit im Umgang mit neuen Technologien schult, um ihren Lebensstandard zu verbessern. Bevor ihn Hillary Clinton 2009 als Innovationsberater – offizieller Titel „Senior Advisor for Innovation and Technology“ – ins US-Außenministerium holte, eine Stelle, die eigens für ihn geschaffen wurde, gehörte Ross zum Wahlkampfteam von Präsident Obama.

Münchens US-GeneralKonsul Conrad Tribble mit Hillary Clintons Innovationsberater Alec Ross (rechts). Foto: Benedikt Köhler

Heute ist er einer der treibenden Köpfe der neuen diplomatische „People-to-People“ Kommunikation in Clintons Außenministerium. Unter dem Motto „The 21st Century Statecraft“, die Staatskunst des 21. Jahrhunderts, stellt er die bisherigen Konventionen und Gepflogenheiten der amerikanischen Diplomatie auf den Kopf.

Amerikanische Außenpolitik mit Social Media Power

Aus dem Außenministerium Hillary Clintons kommt seit ihrer viel beachteten „Speech on Internet freedom“ im Januar 2010 eine regelrechte digitale Informationsoffensive. Strategisch organisiert nutzen die politischen Akteure in Washington soziale Medien wie Twitter und Facebook zur Diskussion über die Standpunkte der amerikanischen Außenpolitik – ungefiltert, ohne Gatekeeper, über Landesgrenzen hinweg. Ross glaubt, dass der Einfluss der sozialen Medien auf die Weltpolitik groß ist und weiter wächst. Ross und seine Mannschaft nutzen aber auch regelmäßig andere Plattformen, die früher den Medien vorbehalten waren: Internationale Pressekonferenzen finden nahezu wöchentlich virtuell im Netz statt, auf der so genannten „State Department’s interactive web chat platform“ und werden später für jedermann sichtbar ins Netz gestellt.

Ross schult angehende Diplomaten im Umgang mit neuen Technologien und Social-Media-Werkzeugen. „Vorbei sind die Zeiten, als Diplomatie allein daraus bestand, dass Herren in dunklen Anzügen und Schlipps anderen Herren mit dunklen Anzügen und Schlipps gegenüber saßen und Verträge ratifizierten“, sagt Ross. „Zunehmend wenden wir uns auch direkt an die Bürger, hören ihnen zu und ermöglichen eine direkte Kommunikation, wie sie früher nicht möglich war. Wir bringen unsere diplomatische Arbeit mit Hilfe des Internets auf das Level des 21. Jahrhunderts.“

Twitteraccounts in vielen Sprachen

Das geschieht beispielsweise über Twitteraccounts. 10 davon, in unterschiedlichen Sprachen von Russisch über Spanisch, Französisch, Arabisch, Portugiesisch bis Hindu, wurden dafür eingerichtet – Deutsch ist nicht dabei. Jeden Freitag unter Hashtags wie #AskState werden via Twitter gestellte Fragen von kompetenten Ansprechpartnern des Außenministeriums beantwortet.

„Wenn Sie vor 20 Jahren mit Politikern in Kontakt treten wollten, mussten sie Briefe schreiben, darauf hoffen, dass ihn jemand öffnet und irgendwann antwortet. Heute ist der Kontakt zwischen Regierung und Regierten enger und direkter als je zuvor“, beschreibt Ross die Veränderung durch die sozialen Medien. Ross selbst twittert unter @AlecJRoss und hat rund 350 Tausend Follower. Sein erster Blick morgens geht weder auf die Post, noch auf die Zeitungen: „Ich gehe auf Facebook, ich gehe auf Twitter und ich lese die Mitteilungen von Hunderten von Menschen, direkt und ungefiltert und weiß Bescheid, was die Menschen bewegt.“

Auflösung der Medienkategorien

Welche Auswirkungen der Machtverlust der Medien und das große Zeitungssterben, das in Amerika bereits eingesetzt hat, auf unsere Gesellschaft und die Kommunikation im 21. Jahrhundert tatsächlich haben werden, das vermag auch Ross nicht zu sagen. „Social Media gibt den Bürgern Macht in die Hand, die sie früher nur hatten, wenn sie eine große Zeitung oder ein großes Medienhaus von ihren Zielen überzeugen konnten“, sagt Ross. Den Medienunternehmen, auch den Radiosendern, groß geworden im 20. Jahrhundert, rät Ross, der Realität ins Auge zu sehen und sich die wachsende Bedeutung des Internets zu Nutze zu machen.

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Ross: „Ich denke, die Auswirkungen von Internet und Social Media auf das Radio ist wirklich interessant. Radio wird immer mehr über das Internet gestreamt und die Leute nutzen das Radio immer weniger auf die Art und Weise, wie sie damit aufgewachsen sind, sondern auf den unterschiedlichsten Geräten. Ich denke auch, Medienunternehmen sollten sich selbst nicht länger als Zeitungsverlag, Fernsehstation oder Radiosender verstehen, sondern als ein Unternehmen, das das Arbeiten auf den unterschiedlichsten Plattformen erlaubt. Um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Radiostationen sich daher überlegen, wie sie erfolgreich im Internet unterwegs sein wollen, bevor das Internet eine alles beherrschende Stellung einnimmt.“