2016 USA-SONY Tour Reisetagebücher

Streik am Boardwalk

22. August 2016 | In Atlantic City haben wir glitzernde Casinos – aber auch gigantische Bauruinen gesehen. Das ehemalige Spielerparadies an der US-Ostküste scheint seine besten Zeiten längst hinter sich zu haben. Wir verbrachten hier dennoch einen wunderbaren Urlaubstag – wie ihr im 11. Teil unseres Reisetagebuchs nachlesen könnt. 

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Der Strand von Atlantic City

Ihr kennt vermutlich dümmliche Formulierungen in Reisebeschreibungen wie „diese Stadt hat viele Gesichter.“ Nun ja, für unseren heutigen Tagebucheintrag über Atlantic City ist uns nichts anderes eingefallen, weil’s irgendwie zutrifft: Hier gibt es einen breiten Sandstrand, unzählige Restaurants, gigantisch große Hotels mit angrenzenden Casinos, die auch in Las Vegas stehen könnten – so wie Caesars Palace, Tropicana, Harrah’s und weitere. Der mit 2.767 Zimmern  größte und – was die Übernachtungspreise anbelangt – teuerste Vergnügungstempel der Stadt ist das 2003 eröffnete Borgota.

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Das Trump Taj Mahal ist das zweitgrößte Hotel und Casino in Atlantic City

Auch Amerikas bekanntester „Baulöwe“, Donald Trump, hat in Atlantic City investiert und 1990 das Taj Mahal eröffnet, das dem indischen Original von der Größe her allerdings maßlos überlegen ist. Heute steht an dem riesigen Gebäudekomplex mit über 2.000 Hotelzimmern und großen Casino-Sälen zwar immer noch „Trump“ dran – „drin“ ist der extravagante US-Präsidentschaftskandidat allerdings längst nicht mehr. Das Trump Taj Mahal wird heute von dem Investor Ican Enterprises betrieben – und zwar ziemlich schlecht, zumindest für die Mitarbeiter.

Streikende Mitarbeiter auf dem Boardwalk vor dem Trump Taj Mahal
Streikende Mitarbeiter auf dem Boardwalk vor dem Trump Taj Mahal

Bereits seit dem 1. Juli streiken Mitarbeiter des Hotels, weil sie von ihrem Arbeitgeber weder Zuschüsse für ihre Altersversorgung noch für die Krankenversicherung erhalten, erzählt uns die 56jährige Admira, die am Informationsstand bereitwillig Auskunft gibt, während andere Streikende vor dem Haupteingang des Luxushotels lautstark ihren Unmut zum Ausdruck bringen.

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Das Revel Atlantic City ist zurzeit nichts anderes als eine gigantische Bauruine

Das Trump Taj Mahal soll angeblich schlecht laufen, erfahren wir und das Revel Atlantic City, nur wenige Blocks weiter, musste im September 2014 nach nur zwei Jahren den Betrieb vorerst ganz einstellen. Der 220 Meter hohe und extrem schmale Bau verfügt über 1.399 Hotelzimmer und soll bei Fertigstellung ca. 2,4 Mrd. US-Dollar gekostet haben. Zuletzt haben Investoren angeblich nur noch 80 Millionen für den gesamten Komplex geboten. Ob das Hotel mit den angeschlossenen Casinos jemals wieder in Betrieb gehen wird, ist zurzeit noch völlig offen.

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Schlechte Zeiten für Casino-Betreiber in Atlantic City. Der Eindruck täuscht: im Caesars Palace war am Dienstagabend lediglich ein Saal gut frequentiert. Mehrere Casinobereiche waren dagegen mitten in der Hochsaison geschlossen.

Es hat den Anschein, dass es mit Atlantic City bergab geht. Das bestätigt auch die Verkäuferin in einem Souvenir-Laden. Nach dem Labor Day – in diesem Jahr am 5. September – ist traditionell an der US-Ostküste die Saison zu Ende. „Wie’s dann weitergeht, wissen wir noch nicht“, sagt die junge Frau. Schon jetzt, gut zwei Wochen zuvor, haben wir den Eindruck, dass Atlantic City ziemlich leer ist. Gestern Abend beschwerte sich ein Gast beim Portier unseres Hotels, dass er fast alleine in einem Casino gewesen sei.

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Der Strand von Atlantic City ist nur abschnittsweise gut besucht

Auch am breiten Sandstrand haben wir den Eindruck, dass Atlantic City jetzt inmitten der Hochsaison nicht gerade überlaufen ist. Woran liegt’s? Die Stadt wurde in der Vergangenheit mehrfach von Hurrikans in Mitleidenschaft gezogen, touristische Einrichtungen waren danach zeitweise nicht brauchbar, Strandabschnitte über längere Zeiträume gesperrt. Zudem liberalisieren immer mehr US-Staaten ihre Glückspielgesetze, so dass die Casinos von Atlantic City immer mehr Konkurrenz erhalten, demnächst wohl auch in New York.

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Inge und Horst auf der Terrasse der Wonder Bar am Chelsea Harbor

Trotz dieser negativen Entwicklungen für Atlantic City haben wir am Montag hier einen wunderbaren Ferientag verbracht. Weil wir unseren Mietwagen gegen Mittag zum Ölwechsel in eine Werkstatt bringen mussten (nie wieder „Alamo“), entdeckten wir gleich nebenan abseits des Touristentrubels die „Wonder Bar“ mit gemütlicher Terrasse an der rückseitigen Lagune und einem vorzüglichen Angebot an leckeren kleinen Gerichten zum Mittagessen.

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Eines der hübschen Häuser am „Historic Gardner’s Basin“ in Atlantic City

Auf Empfehlung eines Rezeptionisten in unserem Hotel sind wir am Nachmittag zum „Historic Gardner’s Basin“ gefahren. Dabei handelt es sich um  einen kleinen Hafen mit Holzhäusern, netten Cafés und augenscheinlich relaxten Mitmenschen. Kurzum – der richtige Ort, um Ferien zu machen.