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Radionachrichten – auf keinen Fall erotisch

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Nachrichten dürfen nicht zu schnell, zu laut, keinesfalls überbetont aber auch nicht desinteressiert und schon gar nicht zu erotisch vorgetragen werden – zumindest nicht im Radio. Im Hörfunk kommt’s eben nicht nur auf die typischen journalistischen Anforderungen wie Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit und Transparenz an – sondern auch auf die angemessene Präsentation.

Dietz Schwiesau, Wortchef bei MDR Sachsen-Anhalt und mein ehemaliger Kollege im Projektteam Hörfunk bei der Bundeszentrale für politische Bildung, hat zusammen mit der Sprechwissenschaftlerin Ines Bose von der Universiät Halle und MDR-Redakteurin Veronika Grandke zehn Audio-Beispiele für falsche Ansprechhaltungen erarbeitet und bei Soundcloud zum Nachhören bereitgestellt.

Professorin Ines Bose zu dem Experiment: Wir haben versucht, anhand einer Nachrichtenmeldung typische sprecherische Charakteristika von Nachrichten zu illustrieren, die sich oft zu einer Sprechschablone verselbständigen. So sind zehn Beispiele entstanden, in denen die Sprecherin jeweils ein sprecherisches Merkmal übertreibt: Lautheit, Sprechgeschwindigkeit, Betonung, Sprechpausengliederung, Aussprache, Melodieverlauf, Sprechspannung, Stimmgebrauch, Ansprechhaltung. An diesen Merkmalen arbeiten Nachrichtensprecher/innen, um den typischen Nachrichtenklang zu treffen, so dass er erkennbar ist, ohne übertrieben zu wirken.

Zu den von  MDR-Sprecherin Antonia Kaloff variantenreich präsentierten zehn Beispielen dafür „wie man Nachrichten NICHT sprechen sollte“ gibt’s am Ende auch noch ein – aus Sicht der Radioprofis – gelungenes Sprechmuster für Radionachrichten. Dabei betont Ines Bose, dass keine Aufnahme technisch verändert worden sei.