2010 USA-Westküste Reisetagebücher

Venedig in Las Vegas

Tagebuch US-Westen, Teil 7: „The Venetian“ – unser unglaubliches Hotel in Las Vegas.

23. August 2010. Früher brauchte man eine Stunde, um sich im Hotel am Urlaubsort zurechtzufinden. Diesmal werden die fünf Tage, die wir im „Venetian“ in Las Vegas gebucht haben, wohl kaum ausreichen, um auch nur annähernd alle Bereiche dieses unglaublichen Hotels mit über 4.000 Suiten, Shops, Restaurants und den riesigen Spielsälen zu entdecken. Von unserer Suite brauchen wir rund 20 Minuten, um das in der Tiefgarage abgestellte Auto zu erreichen. Superhotels haben eben auch ihre Nachteile.

Bevor weitere Details folgen, zunächst der Hinweis, dass wir unsere Suite zum Preis eines Zimmers in einem deutschen Mittelklassehotel bekommen haben. In Las Vegas werden die Gäste nicht bei den Übernachtungspreisen, sondern beim „Zocken“ abkassiert. Zum Glück ohne uns.

Der Ausdruck „Zimmer“ wäre für die 65 qm große und elegante Schlaf- Wohnkombination beim besten Willen unpassend. Im Schlafzimmerteil stehen zwei große Kingsizebetten, davor auf einer Kommode ein Flachbild-Fernseher mit riesigen Ausmaßen. Der Wohnbereich ist durch eine halbhohe Balustrade und zwei Treppenstufen abgetrennt. Hier gibt’s eine große Sitzecke, einen eleganten Esstisch mit vier Stühlen sowie einen Schreibtisch mit Telefon und Faxgerät. Bemerkenswert ist auch das große Bad mit Doppeltür am Eingang, Spiegelfront und abgetrenntem Toilettenraum.

Im „Venetian“ können wir zwischen drei verschiedenen Pool-Landschaften wählen – wobei ein Bad bei durchgehend über 40 Grad Außentemperatur jetzt im Sommer nur wenig erfrischend ist. Aus diesem Grund wurden Teile von Venedig in der zweiten Etage des Hotels nachgebaut. Man bummelt unter dem künstlichen Himmel bei angenehmer Temperatur entlang des Kanals, vorbei an Boutiquen und Restaurants und beobachtet die Gondeln, die gelegentlich auch ein Hochzeitspaar an Bord haben.

Zurzeit laufen im „Venetian“ zwei große Shows: Das Musical „Phantom of the Opera“ und die „Blue Man Group“, die unter anderem von der „New York Times“ als die beste Show in Las Vegas gefeiert wurde. Um ehrlich zu sein, können wir diese Euphorie nicht ganz nachvollziehen. Horst wurde nur durch die laute Trommelei am Einschlafen gehindert; Julia blickte nach der Vorstellung etwas traurig drein und ich konnte mit der eigenwilligen Mischung aus ständigen Trommelstakatos und Laserspielereien auch nicht so recht etwas anfangen. Wir waren wohl nicht die einzigen Enttäuschten an diesem Abend. Am Ende der knapp zweistündigen Show fiel der Beifall – ganz unamerikanisch – sehr zurückhaltend aus.

Macht nichts. Nachdem wir das Showtheater verlassen hatten, blickten wir auf den Vorplatz unseres Hotels mit Campanile, Rialtobrücke und singenden Gondolieri. Gute Nacht aus dem „Venetian“ mitten am „Strip“ in Las Vegas.